Medien

Dr. Bonneys

Zappelix zaubert (2)

Lernspiel für Kinder zur Behandlung bei ADHS

MMM Multi Media Manufaktur GmbH
Lernspiel für MAC und PC
Preis: 119,- (Home Version),
349,- € (Praxis Version)

Im Umschlagtext heißt es: „Ein unterstützendes Therapiespiel von Dr. med. Bonney für Kinder von 5-12 Jahren“.

Der Spieler schlüpft bei Zappelix in die Rolle des Jungen Zappelix. Dieser wird seit Jahren von Plagegeistern und Störenfrieden geärgert, die es anscheinend darauf abgesehen haben, ihm zu Hause und in der Schule viel Ärger zu bereiten. Sie bringen seine Dinge durcheinander, stören ihn im Unterricht oder lenken ihn von seinem Schulweg ab, sodass er zu spät kommt oder gar an Orte geht, an die er nicht gehen soll.“

Ziel des Spiels sei es, diese Plagegeister in „ihre Welt“ zurückzuschicken. Offenbar sollen die Plagegeister die ADHS symbolisieren. Ungeduld, Unaufmerksamkeit und Co. werden als etwas Schlechtes dargestellt, das man wegschicken muss. Dass mit einer solchen Darstellung das Selbstwertgefühl der betroffenen Kinder weiter verschlechtert wird, wird entweder übersehen oder in Kauf genommen.

Besser wäre eine neutrale Darstellung der Geister, die gute und schlechte Seiten haben, ebenso wie im echten Leben ADHS Vor- und Nachteile hat. Lernziel wäre, wie man sich den negativen Einflüssen entzieht und für die positiven sensibel wird. Denn eins ist klar, ADHS bleibt lebenslänglich und am besten fängt man früh an, sich damit zu arrangieren.

Doch nun zum Spiel selbst. Es scheint sich hier um das Nachfolgespiel von TAIL zu handeln, das 2006 erschienen ist. Positiv ist die Elternuhr, mit der man die Spielzeit begrenzen kann. Wenn die Zeit abgelaufen ist, geht es nur noch mit Passwort weiter; leider nicht am gleichen Punkt, sondern wieder von vorne. Die Musik ist nervig, besonders für überreizte ADHSler. Schade, dass man erst das Handbuch gelesen haben muss, bevor man sie ausstellen kann.

Wer wie ich mit der Hand-Auge-Koordination Probleme hat, ist schnell genervt vom Satz „Nachdenken und Abwarten können dich an dieser Stelle weiter bringen als übereiltes Herumhüpfen.“ ICH BIN NICHT ÜBEREILT HERUMGEHÜPFT - ICH BIN UNGESCHICKT! Fast hätte ich es dann geschafft, aber da hat die Elternuhr zugeschlagen und ich stand wieder ganz am Anfang. Gleich im ersten Level bin ich also gescheitert und ohne meine Söhne wäre die Rezension an dieser Stelle zu Ende, denn in die nächsten Level komme ich erst hinein, wenn ich das erste geschafft habe.

Die gestellten Spielaufgaben sind banal und viele Onlineportale bieten kostenlos anspruchsvollere Spiele an, die die Konzentration und Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Handlungsplanung fordern und fördern, insbesondere, wenn Eltern (oder Therapeut) und Kind sich gemeinsam damit befassen. Auch bezweifle ich, dass der Transfer in den Alltag immer möglich ist, dass Kinder das, was sie in der Spielsituation am Computer erfolgreich bewältigt haben, im Alltag umsetzen können. Es ist ein Unterschied, ob ich am Computer in einer übersichtlichen Spielgrafik die Verkehrsregeln einhalte oder im lauten, lärmenden Alltag, der dreidimensional ist und viel mehr Sinneseindrücke vermittelt.

Zum Spiel gehört ein Handbuch (Booklet). Im hinteren Teil (S. 28-43) findet man Hintergrundinformationen. Dort heißt es unter anderem, dass Lernen Spaß machen soll. Das habe ich beim Spielen mit Zappelix vermisst. Es kam kein Lachen aus dem Kinderzimmer, wie ich es bei vielen anderen kindgerechten, lehrreichen Computerspielen schon erlebt habe.

Mein Fazit: Das Spiel gefällt mir nicht und ich finde es mit 119,- Euro (Homeversion) viel zu teuer.

Sabine Nicolei

neue Akzente Nr. 88 1/2011

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