Für Kinder und Jugendliche

Richard und Anja Haaser

Siggi und Vikki und der Regenbogen

Eupaed - Verlag

ISBN 97839812782-00

Preis: 20,- Euro

ADHS wird in der Regel von der Krankheitsseite her betrachtet. Die Schwierigkeiten in Bezug auf soziale Kompetenz, Aufmerksamkeits- und Lernvermögen scheinen Kinder, die von ADHS betroffen sind, auf diese Seite zu nötigen. Anders sieht sie der Kinderarzt Richard Haaser. Er leitete den Verein mit dem augenfälligen Namen „Auch Du Hast Stärken“. Der Verein veranstaltete Natur-Freizeiten für verhaltensauffällige und von ADHS betroffene Kinder und Jugendliche, in denen sie ihre Schwächen, aber eben auch ihre Stärken kennen lernen können. Viele von ihnen erlebten während einer solchen Freizeit zum ersten Mal „gemeinsam mit anderen Kindern positive Erfahrungen“ zu machen und Freundschaften zu bilden.

Siggi und Vikki ist ein Bilder- und Vorlesebuch für Kinder im Grundschulalter. In acht illustrierten Kapiteln erzählt Richard Haaser die Geschichte der Zwillinge Siggi und Vikki, die das Geheimnis des Regenbogens zu ergründen suchen. Sie machen sich auf die Suche nach dem Schatz des Bärensees. Dort berührt das Ende des Regensbogens die Erde. Im Verlauf ihres Abenteuers treffen sie andere Kinder, die sie auf ihrer Suche begleiten. Am Bärensee können Sie zwar keinen Schatz heben, was die Kinder zunächst enttäuscht. Aber sie stellen fest, dass das Abenteuer, das sie miteinander erlebten und die Gemeinschaft, die sich gebildet hat, der wirkliche Schatz ist.

Die Geschichte ist einfach und gut fassbar. Sie folgt dem märchenhaften Duktus von einem der auszog zu lernen, dass der wahre Gewinn nicht derjenige ist, den er sich zu Beginn seiner Reise erhoffte. Bemerkenswert ist, dass der Autor auch von Streit und anfänglicher Asympathie (vgl. Kapitel 6 „Die Zicken“) erzählt. Damit macht er aufmerksam, dass zur Freundschaft nicht nur Zuneigung zählt, sondern auch die Überwindung von Widerstand, z.B. indem man sich auf Regeln einigt (vgl. S. 66). Ebenfalls bemerkenswert ist die Illustrierung, die die Tochter des Autors besorgte. Sie verwandte eine reizvolle Mischtechnik aus Collage und Aquarel. Die durchgängig verwandte wörtliche Rede macht das Vorlesen der Geschichte von Siggi und Vikki und dem Regenbogen einfach. Kritisch anzumerken ist, dass die Geschichte eine Weile braucht, um in Schwung zu kommen. Es wird nicht gleich klar, wer die Hauptpersonen sind und im zweiten Kapitel wird erst deutlich, was sie zu ihrer Schatzsuche veranlasst.

Das Thema ADHS kommt unmittelbar nicht zur Sprache, wohl aber in seinen Bezügen. Kinder, die von dem Syndrom betroffen sind, zeigen wie die „Jägerkinder“ Siggi und Vikki häufig Unternehmungslust, Einfallsreichtum und einen besonderen Draht zur Natur. Im ganzheitlich- naturverbundenen Rahmen der Geschichte passen diese Züge, nicht aber in unsere von Bewegungslosigkeit sowie Partikularismus gekennzeichneten und bis zur Unübersichtlichkeit ausdifferenzierten Umwelt. Die wichtige Frage, die sich mir durch das Buch stellt, lautet, in wie weit die gegenwärtigen gesellschaftlichen Vorgaben verursachen, dass Menschen mit ADHS nur auf ihre Schwächen verwiesen werden, nicht aber ihre Stärken begreifen können.

Uwe Metz

neue Akzente | Nr. 82 | 2/2009
 

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