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Für Erwachsene und Therapeuten

Johanna und Klaus-Henning Krause

ADHS im Erwachsenenalter (4. Auflage)

Schattauer-Verlag
ISBN 13-978-3-7945-2782-3
Preis: 39,99 €

 

Die Geschichte vom Zappelphilipp für Erwachsene

Als der Arzt Heinrich Hoffmann seinem dreijährigen Sohn zu Weihnachten ein Heft mit 14 einseitig beschriebenen und aquarellierten Zeichnungen schenkte, ahnte er sicher nicht, dass ihn die gedruckte Ausgabe von 1845 weltberühmt machen würde. Die zweite Auflage enthielt auch die Geschichte vom Zappelphilipp und wurde unter dem Titel „Struwwelpeter“ publiziert. Sein Autorenpseudonym „Reimerich Kinderlieb“ legte er allerdings erst ein Jahr später ab.

Was Heinrich Hoffmann aufgrund von Beobachtungen in seiner Familie beschrieb, trägt heute den Namen ADHS. Aber was in Deutschland bis Ende der 1990er Jahre ausschließlich als Verhaltensstörung von Kindern und Jugendlichen galt, findet sich eben auch bei Erwachsenen. Dass bis zu sechs Prozent davon betroffen sind, drang nicht zuletzt durch einen Artikel im Magazin „Time“ ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Denn der Autor mutmaßte, dass auch Benjamin Franklin, Winston Churchill, Albert Einstein und Bill Clinton zu den Erwachsenen mit ADHS gehören. Die Erwähnung solch prominenter Namen sorgte nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern trug wesentlich zu Korrektur des Krankheitsbildes bei.

Es ist nicht nur Ignoranz, wenn jemand ADHS noch immer für eine Erfindung der Psychiater und Psychologen hält. Zu dummen Sprüchen gegenüber Betroffenen tragen die Medien ebenso bei wie die Diskussionen über die oft fahrlässige Abgabe von Ritalin oder ähnlichen Medikamenten. Es ist daher nur logisch, dass die Autoren dieses Standardwerks ausführlich auf die medikamentöse Behandlung der ADHS eingehen.

Eine vierte Auflage drängte sich nicht nur wegen der großen Resonanz auf. Da die offizielle Zulassung einer Stimulanzien Behandlung bei Erwachsenen mit ADHS endlich erfolgte, erhält ein wissenschaftliches Werk wie dieses automatisch mehr Gewicht. Zudem wurde erstmals ein spezielles Kapitel über Frauen mit ADHS aufgenommen. Und in der neusten Auflage gehen die Autoren auch auf das Messie-Syndrom, die Computerspielsucht und gutachtliche Fragen ein. Und natürlich werden dem Leser alle neuen Erkenntnisse präsentiert, was sich auch im überarbeiteten und über 70 Seiten umfassenden Literaturverzeichnis zeigt.

Was dieses Buch besonders auszeichnet, ist die gelungene Gratwanderung zwischen Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Verständlichkeit. Gerade weil die beiden Autoren zu den führenden Köpfen auf dem Gebiet der Forschung und Behandlung von ADHS bei Erwachsenen gehören, halten sie sich mit Spekulationen und populär-wissenschaftlichen Verkürzungen zurück. Man darf sich als Leser also nicht daran stören, wenn nicht alle Fragen beantwortet werden. Wo die empirische Datenlage keine gesicherten Aussagen zulässt, werden auch keine gemacht. Und so muss er damit leben können, dass über das Sexualleben, die Kriminalitätsrate oder Prognostizierbarkeit von Lebensläufen nur das geschrieben steht, was einer empirischen Überprüfbarkeit standhält.

Mein Fazit: Von all den Büchern, die ich über ADHS bei Erwachsenen gelesen habe, hat mir das von Johanna und Klaus-Henning Krause mit Abstand am meisten gebracht. Die beiden Autoren gehören nicht nur zu den Pionieren auf diesem Gebiet, sondern verstehen es auch ausgezeichnet, ihren immensen Wissensschatz anschaulich zu vermitteln. Obwohl sich dieses Referenzwerk mit vielen Fallbeispielen in erster Linie an Fachleute richtet, bietet es auch Betroffenen ohne medizinische Fachkenntnisse viele wertvolle Informationen. Sich nur im Internet schlau zu machen, reicht eben oft nicht aus.

Dr. Werner T. Fuchs
neue AKZENTE 97 / 2014

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