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Für Erwachsene und Therapeuten

Mariella Matthäus, Andreas Stein

Psychoedukation und Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene mit ADHS

Ein Manual

ISBN 13-978- 3- 170248021
Verlag: W. Kohlhammer Verlag, 2016
Preis: 39,00 €

Es handelt sich hier um ein Manual für die Gruppenpsychotherapie in der Altersgruppe von 14 - 22 Jahren. Es ist auf 10 Sitzungen aufgeteilt, außerdem ist es möglich Folien downzuloaden. Eine weitere Ausgabe für Bezugspersonen ist noch geplant.

Konzipiert ist das Manual für zwei Gruppenleiter mit dem Anspruch für Betroffene eine Informationsvermittlung und Kompetenzerweiterung, Kompetenzen für Selbstbeobachtung und Selbststeuerung, Erfahrungsaustausch und eine Förderung eines positiven Selbstkonzeptes zu vermitteln.

Das vermittelte Wissen ist gut recherchiert, belegt und auf dem neusten Stand. Die Literaturquellen sind umfangreich.

Die in den einzelnen Sitzungen vorgeschlagenen Übungen sind sinnvoll und gut erklärt und das vermittelte Wissen kompakt und verständlich dargestellt. Es werden Achtsamkeits- und Genussübungen sowie Konzentrationsübungen vermittelt. Es werden auch hilfreiche Strategien für die unterschiedlichen Lebensbereiche angeboten.

Auf Grund der Relevanz von Computerspielen und Suchtproblematik wäre es wünschenswert hier noch genauer auf Suchtprävention und Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen einzugehen. Überhaupt kommen Selbsthilfegruppen als Strategie gar nicht vor, was zu bedauern ist, da es auch für diese Zielgruppe Angebote gibt.

Das Thema Ernährung kommt völlig zu kurz, der Stellenwert von Sport und Bewegung findet zu wenig Beachtung.

Obwohl die Schlafstörung bei ADHS eine wichtige Rolle spielt, wird dieses Thema im Sinne der Vermittlung einer guten Schlafhygenie nicht aufgegriffen.

Gut ist das Kapitel über ADHS und Beziehungen. Hier wäre es noch hilfreich gewesen gute Beziehungsregeln konkreter auszuführen. Das Thema Eifersucht, Sexualität und Verhütung ist gut dargestellt, ebenso wie das Kapitel Umgang mit Geld, sowie Selbstbild und Selbstwert.

Das Thema Selbstwert ist gut ausgearbeitet, ressourcenorientiert und mit Übungen für das Wahrnehmen der eigenen Stärken sinnvoll unterlegt.

Da Thema vom Chaos zur Ordnung und Stressmanagement ist ebenfalls gut dargestellt. Hier sind auch sinnvolle Arbeitslisten hinterlegt.

Was mir beim Lesen dieses Buches auffiel, ist, dass das Manual weitgehend angelehnt ist an das Manual von Hesslinger und Philipsen sowie D‘Amelio. Ich bin selbst Autorin von my.ADHS.com (Alfred et al.) und finde in dem Buch auch große Teile unseres Buches wiedergegeben. Das ist zwar teilweise als Zitat gekennzeichnet, aber es sind auch viele Ideen etc. daraus ohne Zitate übernommen. Das Buch ist insofern nichts Neues, durchaus aber hilfreich, weil es ein strukturiertes Manual für die tägliche Arbeit mit ADHS-Patienten ist.

Allerdings halte ich es aus meiner langjährigen Gruppentherapieerfahrung mit ADHS-Patienten für problematisch eine Zielgruppe von 14 - 22 Jahren anzusprechen. Ein 14-Jähriger hat eine völlig andere Lebenssituation als ein 22-Jähriger und ich glaube, dass es wichtig ist, diese Altersstufe zu unterteilen, z. B. in Schüler und eine Gruppe für Auszubildende und Studenten. 

Es fehlt mir auch für Gruppentherapeuten, dass auf die Besonderheiten bei der Therapie von ADHS-Gruppentherapiepatienten eingegangen wird. Hier bedarf es erfahrener, klarer und strukturierter Therapeuten, die sich abgrenzen können und die viel Erfahrung mit dem Krankheitsbild ADHS haben. Gerade die Symptome von ADHS machen die Gruppentherapien zu einer echten Herausforderung. Hier würde es noch einmal eines gesonderten Kapitels bedürfen.

Weiterhin orientiert sich das Manual nicht an den Herausforderungen einer ambulanten Praxis. Niemand kann in Deutschland für den Kassensatz mit zwei Therapeuten arbeiten und es wird auch schwierig sein, den Umfang einer Sitzung in 100 Minuten abzuarbeiten.

Grundsätzlich halte ich aber dieses Manual für eine hilfreiche Anregung und es ist zu hoffen, dass mehr Therapeuten dieser Altersgruppe ein solches Therapieprogramm auch in der ambulanten Praxis anbieten können und wollen.

Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz

aus neue AKZENTE 110, 2/2018

 

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