Für Eltern und Erzieher

Hans Moll

Ritalin und Liebe

Geschichte eines ADHS-Kindes und Jugendlichen

ISBN: 978-3-88309775-6
Verlag: Bautz (Dezember 2012)
Preis: 19, 90 €

„Ritalin und Liebe“ ist die Geschichte eines Großvaters und seines Enkels, der von ADHS betroffen ist. Zugleich fasst das Buch zusammen, was der Autor im Zusammenhang mit ADHS erfahren und gelernt hat. „Ritalin und Liebe“ bezeichnet das Fazit dessen, was Moll für probat im Umgang mit ADHS hält.

Lebensgeschichten gehören eigentlich nicht zu der Lektüre, die ich bevorzuge. Aber Moll schreibt anziehend und sein Buch ist gut zu lesen. Er bemüht sich um einen gemessenen, verständnisvollen Stil für die Not, der sein Enkel ausgesetzt ist, spricht jedoch auch aufrichtig und offen über seine eigenen Gefühle. Gerade Angehörige haben so die Chance, mit ihren Erfahrungen anzuknüpfen. Weniger verständnisvoll zeigt sich der Autor jedoch seiner Tochter gegenüber, der Mutter seines Enkels. Sie ist auch von ADHS betroffen. Moll lässt den Leser nicht im Unklaren darüber, wie sehr ihn deren Impulsivität und Verstocktheit stört. Ich hätte mir gewünscht, wenn der Autor in derselben Weise verständnisvoll über seine Tochter geschrieben hätte („Einmal ADHS, immer ADHS“). Wenn er von ihr spricht und dem Nicht-Gelingen, mit ihrem ADHS umzugehen, neigt sein Ton dazu, vorwurfsvoll und selbstrechtfertigend zu werden. Der Leser muss diese Bemerkungen mit der Zurückhaltung zur Kenntnis nehmen.

Moll hat sich mit ADHS und dessen medikamentöse Therapie intensiv beschäftigt. Er schildert, dass es vergleichsweise leicht für ihn war, Informationen über ADHS zu erhalten, ungleich schwieriger aus der Fülle der Berichte ergiebige Informationen zu ziehen. Der Autor lässt den Leser wissen, wie wenig hilfreich die Gemengelage von Halbwahrheiten und Vorurteilen für Angehörige und Betroffene ist. Sie brauchen Unterstützung und fundierten Rat, keine ideologisch motivierten Schlagzeilen.

Insgesamt hinterlässt die Lektüre gemischte Gefühle bei mir: Das Buch hat Vorzüge: der angenehme Stil, die meistenteils sachliche Darstellung. Für Angehörige von Betroffenen wird die Lektüre erhellend sein. Ihnen sei das Buch empfohlen. Den apologetischen Beigeschmack empfand ich als unangenehm. Ich erwarte von einem biografischen Buch auch ein gewisses Maß an Selbstreflexion; der Autor sollte sich in der Lage zeigen, über seine eigenen Erfahrungen hinauszuweisen. Dies ist das „Mehr“, das das Buch für mich zu einem Lesegewinn macht. Dieses „Mehr“ habe ich in „Ritalin und Liebe“ nicht finden können.

Uwe Metz

neue AKZENTE Nr. 95 2/2013

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