Für Eltern und Erzieher

Wolfdieter Jenett

ADHS - 100 Tipps für Eltern und Lehrer

ISBN: 978-3506772317
Verlag: Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG, Paderborn
Preis: 19,90 €

Ich habe Jenetts Buch bei der Vorbereitung zu einem Informationsabend über ADHS für Eltern, Betroffene und Interessierte verwendet. Der Autor ist Kinderarzt mit Erfahrung in Deutschland und England. Sein Buch ist in der Reihe „HELP“ des Schöningh-Verlages erschienen (Hilfe für Eltern, Lehrer und Pädagogen). Es versucht eine umfangreiche Bandbreite an Lesern zu erreichen und ihnen praktische Tipps an die Hand zu geben. Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt, die verschiedene Lebensbereiche behandeln, in denen die ADHS-Betroffenheit Probleme verursachen kann.
Ich habe das Buch gerne gelesen. Eltern, deren Kind von ADHS betroffen ist, brauchen einen gut zugänglichen Ratgeber, der ihre Situation aufgreift. Ebenso Lehrer, die Schüler mit ADHS unterrichten. Das ist dem Autor größtenteils gelungen. Er schreibt kenntnisreich, sachlich ausgewogen und bleibt beim Leser (anders P. Damberger, in: rezensionen.ch). Natürlich kann das Buch nicht auf jede Eventualität eingehen, dafür ist das Thema ADHS zu vielgestaltig. Für die Leser, die sich schon lange mit ADHS beschäftigen, bietet das Buch nichts Neues. Auf Medikation oder die rechtliche Lage von ADHS-Betroffenen geht er nur am Rande ein. Aber den wohlinformierten Leser hat Jenett auch nicht im Blick. Er vermittelt mit „100 Tipps für Eltern und Lehrer“ solide Grundinformationen und Rat. Adressen – u. a. die des Bundesverbandes ADHS-Deutschland e. V. – am Ende des Buches geben dem Interessierten die Möglichkeit, sich weiter zu informieren.

„ADHS – 100 Tipps für Eltern und Erzieher“ ist ein Arbeitsbuch. Es ist zwar gut zugänglich, aber keines, das man sich quasi im Vorbeigehen zu Gemüte führen oder im akuten Notfall aufschlagen kann. Jenett sieht den Leser seines Buches in der Rolle eines Coaches. D. h. er muss sich aus der Fülle von Ratschlägen, Listen und Plänen diejenigen auswählen, die seiner Situation entsprechen. Hier sehe ich ein Manko des Buchs:
Es fordert ein hohes Bereitsschaftspotential. Nur Pädagogen, für die ADHS ein zentrales Anliegen ist, werden dieses Buch durcharbeiten, die Tipps und Hilfsmittel ausprobieren. Eltern, die selbst von ADHS betroffen sind, werden es – ähnlich wie beim OptiMind-Konzept – mit den zahlreichen Listen nicht leicht haben und vermutlich überfordert sein. Wenn sich die Lage am Essenstisch, bei den Hausaufgaben oder im Klassenzimmer schon zugespitzt hat, greifen die Tipps nicht mehr, da sie eine gewisse Zeit der Vorbereitung und des Einübens voraussetzen. Von der Perspektive des Coachings aus ist Jenetts Buch eine sinnvolle Lektüre.
Als kleinen Schönheitsfehler empfand ich das Titelbild. Es zeigt einen Jungen an der Kletterwand, dem zwei Teufelshörner an den Kopf gesetzt wurden. Anders als Damberger unterstelle ich Jenett nicht die Absicht, aus ADHS-betroffenen Kindern, unauffällige, angepasste Menschen zu machen. Doch auf unfreiwillige Weise vermittelt das Titelbild dieses Anliegen. Hier hätte ich mir mehr Feingefühl des Lektorats gewünscht.

Uwe Metz

aus neue AKZENTE 93/2012

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