Für Eltern und Erzieher

Claus Jacobs / Franz Petermann

Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen

Das neuropsychologische Gruppenprogramm ATTENTIONER

ISBN: 978-3-8017-2061-2
Verlag: Hogrefe, 2. überarb. Aufl. 2007
Preis: 59,95 €

Dieses Buch bietet Therapeuten ein komplettes Aufmerksamkeits- Trainingsprogramm für kleine Gruppen von Kindern und Jugendlichen ab der zweiten Schulklasse bis zum Alter von ca. 14 Jahren.

Die wissenschaftlichen Grundlagen des Trainings basieren auf der Neuropsychologie, der Verhaltenspsychologie und der Entwicklungspsychologie. Obwohl es bereits ein therapeutisches Fachwissen voraussetzt, beginnen die Autoren mit einer kurzen Einführung in die verschiedenen Arten der Aufmerksamkeit, ihrer Störungen, möglicher Ursachen und deren Diagnostik.

Das eigentliche Trainingsprogramm besteht aus 15 jeweils 60-minütigen Sitzungen mit den Kindern und – darin unterscheidet es sich von der ersten Auflage – fünf 100-minütigen Sitzungen mit den Eltern, um den Transfer in den familiären Alltag der Kinder zu verbessern. Diese Eltern-Sitzungen sind ebenfalls sehr gut strukturiert und verbinden Inhalte eines Elterntrainings mit denen einer Gruppentherapie für Erwachsene.

Jede Sitzung mit den Kindern bietet den Rahmen für drei bis vier spielerische Aufgaben, die in kleinen Teams zu lösen sind. Als roter Faden, Motivations- und Identifikationsfigur dient der Drache Taifun, um den sich viele der Aufgaben drehen.

Der Zielgruppe angemessen ist eine starke Struktur vorhanden: Es gibt klare Regeln, klare Zeiten, klar verteilte Verantwortung und ein recht komplexes Belohnungssystem (Response-Cost-Token-System).

Dem Leser werden auf einer beiliegenden DVD Druck- und Kopiervorlagen für alle Aufgaben, Spiele, das Belohnungssystem, Informationsmaterial für die Eltern und Evaluationsbögen als PDF-Dateien sowie zahlreiche Tonaufnahmen für die Aufgaben als MP3-Dateien mitgeliefert.

Als besonders wirksam gilt das Training bei Patienten, denen die fokussierte Aufmerksamkeit und die geteilte Aufmerksamkeit aufgrund einer Inhibitionsstörung besonders schwer fällt. Dabei ist mit fokussierter Aufmerksamkeit die Fähigkeit gemeint, sich z. B. bei Hausaufgaben nicht ablenken zu lassen. Als geteilte Aufmerksamkeit wird dagegen bezeichnet, wenn man sich gleichzeitig auf zwei Vorgänge konzentrieren muss, z. B. gleichzeitig etwas von der Tafel abschreiben und den Erklärungen eines Lehrers folgen. Eine Inhibitionsstörung ist schließlich eine hirnorganische Störung (ganz genau: fronto-striato-pallido-thalamische Dysfunktion), die neben der Aufmerksamkeitsleistung auch die Impuls- und Bewegungskontrolle beeinträchtigt und dadurch bei starker Ausprägung als Ursache für das AD(H)S gilt.

Kinder, deren Probleme vor allem bei den Aufmerksamkeitsformen Alertness (Aufmerksamkeit für Impulse von außen) und Daueraufmerksamkeit bestehen, profitieren weniger von dem Programm. Auch bei Kindern, deren Aufmerksamkeit nicht aufgrund der hirnorganischen Störung beeinträchtigt ist, sondern aufgrund von Lernprozessen (z. B. der subjektiven Erfahrung, dass der Unterricht ohne Aufmerksamkeitsanstrengung angenehmerzu verbringen ist) lediglich nicht die erforderliche Anstrengung aufgebracht wird, kann kein voller Trainingseffekt erwartet werden.

Mir hat das Trainingsprogramm sehr gut gefallen. Es bietet eine detaillierte Anleitung für den Therapeuten, ist sehr übersichtlich aufbereitet und stellt kindgerechte, aufeinander aufbauende Aufgaben zur Verfügung, von denen viele so viel Spaß machen dürften, dass sie sich sogar für einen Kindergeburtstag eignen!

Patrik Boerner

aus neue AKZENTE 93/2012

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