Für Eltern und Erzieher

Gerhard W. Lauth / Peter F. Schlottke

Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern

ISBN-13: 978-3621276757
Verlag: Beltz
Preis: 49,95 €

Das vorliegende Buch der beiden renommierten Psychologieprofessoren Lauth und Schlottke bietet ein vollauf überzeugendes, flexibel handhabbares, detailliertes und praktisch handhabbares Trainingsprogramm für Therapeuten. Zusätzlich werden Wege zur Etablierung eines individuell auf das Kind zugeschnittenen Behandlungsteams mit Eltern, Lehrern und Ärzten aufgezeigt. Eine klare Struktur und leicht verständliche Sprache sind dabei durchgehend Merkmale des Buches. Das Ziel des Buches besteht darin, die Entwicklung aufmerksamkeitsgestörter Kinder zu fördern und nicht primär Störungen zu vermindern. Das Buch wirbt um die Vermittlung einer veränderten Sichtweise auf die Störung ADHS, was sich insbesondere im Theorieteil, aber auch in dem Kapitel der „Zusammenarbeit mit Ärzten“ widerspiegelt.

Innerhalb des Therapiekonzeptes werden fünf Therapiebausteine (Basistraining, Strategietraining, Elternanleitung, Wissensvermittlung, Vermittlung sozialer Kompetenzen) als Kernbereich des Trainings vorgestellt. Die Bausteine „Basistraining“ (Kinder von 6-10 Jahren) und „Strategietraining“ (Kinder von acht bis 12 Jahren, die das Basistraining beherrschen, sowie präventiv für lernschwache Kinder) gliedern sich in zwölf bzw. 13 Trainingseinheiten, die jeweils zwei Seiten umfassen. Diese werden jeweils ergänzt durch Online-Materialien (79 Arbeitsbögen, drei Fragebögen, „Vertrag“, Informationsblatt für Lehrer), die durch einen Zugangscode am Ende des Buches auf der Website des Verlags abgerufen werden können und den einzelnen Trainingseinheiten zugeordnet sind. Für die Trainingseinheiten werden insgesamt 21 zusätzlich zu erwerbende Spiele bzw. Medien benötigt, von denen die Hälfte aber auch durch ähnliche Spiele ersetzt werden kann.

Alle Trainingseinheiten in den Trainingsbausteinen gliedern sich gleichermaßen in vier Phasen (Einführung, Modellierung des erwünschten Verhaltens, Übungsphase der Kinder, spielerischer Ausklang). Ein Verstärkerprogramm in Form eines Tauschverstärker-Systems wirkt jeweils parallel, gut mitarbeitende Kinder sollen etwa in jeder dritten Sitzung gesammelte Tauschverstärker in Gegenstände aus einer Kramkiste eintauschen können. Diskussionen und Gespräche werden eingesetzt, um therapierelevante Erkenntnisse zu entwickeln und zu vertiefen. Die Darstellung der Trainingseinheiten ist jeweils gleich, beginnend mit dem Ziel der Sitzung, Material, Anforderung, Darstellung der jeweiligen Verstärkerkontingenzen, Beschreibung der vier Phasen einer Sitzung und Übergang zur nächsten Therapieeinheit. Die Therapiedemonstration als erste Phase wird dabei oft in einem grau unterlegten Kasten in wörtlicher Rede beschrieben.

Das nur sechs Seiten lange Kapitel „Wissensvermittlung“ ist individualisiert und geeignet für Schüler ohne Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen, jedoch allgemeinen Schulund Lernschwierigkeiten. Inhalte sollten hierbei aus den drei diagnostischen Schritten Lehrergespräch, unterschiedliche Wissens- und Schulleistungstests und Arbeitsproben abgeleitet werden, um dann Inhalte des Bausteins „Strategietraining“ auf schulleistungsrelevante Inhalte zu übertragen. Strategien zum eigenständigen Aneignen von Wissen stehen dabei im Mittelpunkt.

Der Baustein „Vermittlung sozialer Kompetenzen“ setzt bei Therapieinhalten und Diagnostik an, gibt acht Beispiele als Ziele ausgewählter sozialer Kompetenzen und skizziert für jede dieser Kompetenzen eine therapeutische Interventionsmöglichkeit.

Der Baustein „Elternanleitung“ umfasst fünf Sitzungen von einer Stunde, die begleitend zum Training des Kindes stattfinden und versteht sich als theoretische und praktische Mindestanleitung („die Eltern-Kind-Beziehung verbessern“, „prozessorientiert helfen“, „positiv anleiten“, „bei den Hausaufgaben angemessen helfen“, „klare Anweisungen geben“).

Das Kapitel „Zusammenarbeit mit Lehrern“ ist vergleichsweise unkonkret gehalten und bietet nur Möglichkeiten, wie aus dem Blickwinkel eines Therapeuten die Zusammenarbeit mit Lehrern gesucht und diese als „natürliche Partner“ gewonnen und ggf. beraten werden können. Die vorgestellten Maßnahmen orientieren sich an dem Ausmaß des Aufwandes, die sie dem einzelnen Lehrer abverlangen. Anstelle von konkreten Bausteinen werden eher wichtige Leitlinien zur Förderung im Unterricht vorgestellt.

Die Basis des Kapitels „Zusammenarbeit mit Ärzten“ ist die Etablierung einer qualitätsgesicherten Versorgung der Kinder und Jugendlichen nach § 73c SGB V, was eine Zusammenarbeit in Behandlungsteams vorsieht. Wünschenswert wäre eine wirkungsvolle und konstruktiv Verknüpfung medizinischer und psychologischer Behandlungsmaßnahmen, insbesondere die bedarfsgerechte Verfügbarkeit und Verschreibungspraxis von Psychotherapie. Basale Grundlagen der Pharmakotherapie werden skizziert.

Neben dem Kernbereich der Therapiebausteine gibt es einleitend einen Theorieteil von 70 Seiten, der die neuesten Erkenntnisse der MTA (Multimodal Treatment Approach Studie) beinhaltet sowie die Mahnung zu einer sensibleren, professionelleren und frühzeitigeren Diagnose als Ausdruck einer veränderten Sichtweise. Hierzu werden auch neue Klassifikatonssysteme (DSM-V) diskutiert.

Christian van Hal

aus neue AKZENTE 92/2012

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