Für Eltern, Pädagogen und Therapeuten

Saskia Heike

Tiergestützte Pädagogik und ADHS

Nutzenanalyse eines sozialpädagogischen Projekts mit Kleintieren, Schafen und Ponys

ISBN: 13-978-3639008876
Verlag: Vdm Verlag Dr. Müller E. K. (2013)

Preis. 49,00 €

Das Buch stellt tiergestützte Arbeit vor anhand eines Projektes der Jugendfarm Erlangen. Hier können Kinder mit Tieren Natur erleben. Ein Projekt unter dem Motto „zappeln erwünscht, träumen erlaubt“.

Bereits in der Einleitung wird das Thema ADHS und tiergestützte Arbeit in seinen Möglichkeiten und Grenzen beschrieben. In ansprechender, moderater Formulierung werden Zusammenhänge erklärt zwischen Natur und dem heutigen Kind sein, fehlenden Aktivspielplätzen und dem Mangel, Mensch-Tier-Beziehungen kennen und erleben zu dürfen. Es wird gleichzeitig aufgezeigt, was Kinder und Jugendliche mit ADHS im Alltag erleben und wie gewohnt die Gesellschaft damit verfährt, ADHS- Betroffene negativ abzustempeln. Hier liegt die Bemühung der tiergestützten Arbeit darin, Zusammenhänge zu erkennen und im Hinblick auf gesellschaftliche Normen Kindern und Jugendlichen mit ADHS unter entsprechender Anleitung eine Chance zu geben, Arbeit mit Tieren zu erfahren.

Tiergestützte Arbeit wird in der Öffentlichkeit noch immer falsch eingeschätzt. Aufgrund von mangelndem Wissen werden Arbeitsinhalte falsch interpretiert, es entsteht eine übersteigerte Erwartungshaltung. Gute Arbeit entsteht mit dem Wissen, dass Tiere nur unterstützend eingesetzt werden können und dies im Team mit dem Therapeuten.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt. Der Theorieteil beginnt mit einer kompakten Darstellung der ADHS-Symptomatik und auch Problematik. Auch hier wieder positiv, dass die guten Seiten der Kinder benannt werden. Das Interesse und die Begeisterung des Therapeuten für diese Kinder erhöht das Gelingen der Arbeit immens. Die Einbeziehung pädagogischer Anthropologie gewährt unserer Wahrnehmung das Erkennen von Beziehung; nicht nur in der Mensch-Tier Beziehung, sondern auch im Verhältnis zu Natur, Umfeld und Ökologie; Tiere als Partner, Freund oder Lebensgefährte. Geschichtliche Vorgaben beeinflussen Mentalitäten und Denkmuster. Die Wahrnehmung unterschiedlicher Tiere und Rassen zeigt Vielfalt auf. Hier begründet sich die vielseitige, tiergestützte Arbeit, die sowohl die individuellen Bedürfnisse des Klienten, als auch die erforderliche Differenzierung physischer, psychischer und sozialer Wirkungen berücksichtigt.

Das Buch beschäftigt sich weiterhin mit den Anwendungsgebieten der tiergestützten Arbeit, der Sicherung von Qualität durch verschiedene Verbände, den Formen von Arbeit und Kontaktaufbau. Wichtige Aspekte, die ausführlich bearbeitet werden, sind Hinweise auf Probleme in der tiergestützten Arbeit, zu Kostenfaktoren, zur Eignung der Tiere und zu Trainingsansprüchen.

Im nächsten Kapitel werden die Bedürfnisse und Ansprüche der einzelnen Tiere vorgestellt und die positiven Besonderheiten, die sie für die Arbeit mitbringen.

Die Arbeit der Jugendfarm, die bereits 1973 gegründet wurde, wird detailliert vorgestellt. Ging es zu Anfang hauptsächlich darum, die Spiel- und Erlebnisqualität der Kinder zu verbessern, ist bis heute ein gut durchdachtes Konzept entstanden. Klar definiert sind pädagogische und individuelle Zielsetzungen, soziale und gesellschaftliche Ziele. Die Jugendfarm bietet eine Vielzahl von Arbeitsfeldern und Bereichen. Der Tierbereich ist hier nur einer von vielen Angeboten. Gearbeitet wird mit Kaninchen und Meerschweinchen, Schafen und Ziegen und Ponys.

Das ADHS Projekt vermittelt nicht nur das Wissen über Tiere, sondern dient letztendlich der Förderung des sozialen Verhaltens. Besondere Berücksichtigung erfährt das Lernverhalten mit ADHS. (Rollen, Positionen, erreichen von Zielen).

Der Methodenteil des Buches beschäftigt sich mit Beurteilungsbögen, Wahl der Instrumente, Aussagelisten und Abfragen der Befindlichkeiten, der Durchführung von Interviews und persönlicher Beurteilung des Projektes.

Im praktischen Teil werden Projektregeln benannt sowohl im Umgang mit ADHS-Kindern als auch eigene Regeln der Jugendfarm und Regeln für den Umgang mit den Tieren. Das Konzept wurde von Dipl. Soz. Päd. Antje Lauermann erstellt und beinhaltet 8 x 2 Stunden. Schwerpunkte waren Konzentrationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Interaktionsfähigkeit, Wahrnehmung, Geduld. Es gab vier Arbeitsblöcke, in denen nicht nur der Umgang mit dem Tier, sondern auch seine Versorgung, seine Bedürfnisse und seine Eigenart im Vordergrund standen.

Anhand der Auswertungsbögen und diverser Tabellen werden dem Leser die Ergebnisse aufgezeigt sowie Probleme der Datenanalyse und Messung beschrieben. Der Ausblick beschäftigt sich noch einmal mit der Auswahl der Tiere und Veränderungsvorschlägen.

Das Buch beschreibt die Vielfalt der tiergestützten Arbeit ohne alle Einzelheiten aufzulisten. Die Problematik ADHS wird in ihrer Tragweite geschildert, aber nicht zum übergeordneten Thema gemacht.  Auf die ausführliche Darstellung der Nutzenanalyse wird im Titel hingewiesen. In die verwendeten Abkürzungen muss man sich erst einlesen.

Eine nützliche Lektüre, die mich ein wenig an die Arbeit von Green chimneys erinnert hat.

Bei Art der Aufmachung und Umfang des Buches halte ich den Preis allerdings für zu hoch angesetzt.

Dipl. Des. Astrid Bojko-Mühr

aus neue AKZENTE 109, 1/2018

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