Allgemein

Manfred Spitzer

Dopamin & Käsekuchen

Hirnforschung à la carte

ISBN: 9783794528134
Verlag: Schattauer, 1. Auflage (27. Januar 2011)
Preis: 19,95 €

„Wenn du etwas nicht mit einfachen Worten erklären kannst, dann hast du es selbst nicht richtig verstanden.“ – Manfred Spitzer ist sehr wohl in der Lage, verschiedene Auswüchse unserer Kultur zu beleuchten und mit Humor verständlich zu machen. Er bedient sich einer einfachen Sprache, um ihre neurobiologischen Ursachen aufzudecken und sie für den Normalbürger verständlich zu machen. Es gibt zwar noch Stellen, wo Nichtwissenschaftler beim Lesen ins Straucheln kommen könnten, aber die sind schnell überflogen.

Wer sich genauer in die Materie einlesen möchte, findet am Ende eines jeden Kapitels die Quellennachweise. „Dopamin und Käsekuchen“ ist bereits die zwölfte Veröffentlichung dieser Art von Manfred Spitzer, daher ist es nicht verwunderlich, wenn unter den Quellen auch seine eigenen Bücher zu finden sind.

Die Reise führt den geneigten Leser über Ratten, die von Cafeteria-Kost, genauer gesagt Käsekuchen, Würstchen und Schokolade, messbar süchtig werden wie von Koks, zur Generation Google, wir die wir nichts mehr selber lernen, sondern nur noch schnell im Internet nachschlagen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die Hormonausschüttungen während einer öffentlichen Trauung tatsächlich zu festeren Bindungen führen? Um die hormonelle Situation vor und nach der Hochzeit zu vergleichen, hat die Journalistin Linda Geddes auf ihrer eigenen Hochzeit allen Anwesenden zweimal Blut abnehmen lassen.

Oder wem war vorher klar, dass die Fingerspiele („Das ist der Daumen – der schüttelt die Pflaumen...“) mit Kleinkindern auf der ganzen Welt gespielt werden und einen direkten Einfluss auf das Erlernen von Mathematik haben können? – Wie viele Menschen denken darüber nach, dass gerade Kinder, die in einem sehr lernfähigen Alter sind, mit Werbespots für Junkfood nahezu bombardiert werden?

Überraschend ist auch, wie deutlich sich schulische Leistungen verschlechtern können, wenn die Kinder eine Spielkonsole erhalten. Bei der Gruppe der Familien, die die Konsole zu Versuchsbeginn erhielten, sanken die Leistungen der Kinder schnell unter das Niveau der Vergleichsgruppe, die ihre Konsole erst gegen Ende des Experiments erhielten.

Es führt wohl zu weit, hier jedes Thema, das im Buch angeschnitten wird, ebenfalls auszubreiten. Das Gesamtfazit, das ich aus der Lektüre für mich ziehe ist: Jede Entgleisung unserer modernen Zivilisation hat ihre Ursachen in unserer Natur, und wenn wir uns kennen, können wir diese Fallstricke besser umgehen.

Elisabeth Drachenheim

neue AKZENTE Nr. 91 1/2012
 

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