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Allgemein

Jesper Juul

Leitwölfe sein

Liebevolle Führung in der Familie

ISBN: 978-3407864043
Verlag: Beltz; 1. Auflage (02/2016)
Preis: 16,95 €

 

Wölfe sind intelligente Tiere. Vor allem verfügen Sie über soziale Intelligenz, sind familienorientiert und wissen Ihr Rudel zusammenzuhalten. „Ich denke, der Schlüssel für erfolgreiche Familien heißt bei Menschen wie bei Wölfen: Beziehung und Vertrauen“ (S. 18), sagt der dänische Familientherapeut und Bestseller-Autor Jesper Juul. Darum plädiert er in seinem neuen Buch*) „Leitwölfe sein“ für – so der Untertitel – „Liebevolle Führung in der Familie“.

Schon die Überschrift des ersten Kapitels gibt uns Juuls Begründung dafür: „Kinder wollen Erwachsene, die die Führung übernehmen“ (S. 21). Damit meint er übrigens nicht nur Eltern, sondern auch Erzieher/-innen und Lehrkräfte. Es geht also um die Autorität von erwachsenen Bezugspersonen für Kinder, aber nicht um die traditionelle, auf Rollen gründende, sondern um „persönliche Autorität“. Sie beruht „auf Selbstwertgefühl, Selbsterkenntnis, Selbstachtung, Selbstvertrauen“ (S. 27). Erwachsene, die über diese Eigenschaften verfügen, sind eher in der Lage, auch Kindern gegenüber Empathie und Respekt aufzubringen. Eine solche Haltung gelingt Menschen leichter, die persönliche Verantwortung zu tragen bereit sind, auch wenn sie Fehler machen. Perfekte Eltern könne es gar nicht geben, wohl aber solche, die sich zuständig für die Beziehung zum Nachwuchs fühlen.

Insgesamt 13 Kapitel umfasst der neue Juul. Darin geht es unter anderem um Vertrauen, um weibliche und männliche Führung, um die Frauen- und Mutterrolle ebenso wie um die Rolle von Vätern. Informativ sind sie alle. Besonders spannend finde ich das kurze Kap. 8: „Was hat Macht mit Führung zu tun?“ Darin geht es um die existenziell bedeutsame Frage, warum wir als Erwachsene oft jene elterlichen Verhaltensweisen wiederholen, unter denen wir als Kinder gelitten haben. Juul plädiert darin für den Dialog zwischen Eltern und Kind, ohne dass die Erwachsenen ihre Rolle „spielen“ oder „darstellen“. In liebevollen Beziehungen müssten sie authentisch und verletzlich sein, müssten sie sowohl führen als auch angreifbar sein können – sicherlich keine einfache Haltung. Gerade in diesem Kapitel bestätigt sich Juuls Warnung aus dem Vorwort, dass er keine Methode beschreibt, einfach deswegen, weil menschliche Beziehungen nicht rezepthaft gestaltet werden können.

„Leitwölfe sein“ ist dennoch äußerst praxisorientiert und hilfreich. Allerdings ist es keiner der üblichen Ratgeber mit präzisen Handlungsanleitungen – die kritisiert Juul stark, weil sie den notwendigen Umbruch der elterlichen Haltung hin zu einer dialogbereiten, offenen Führungsrolle behindern. Als Maßstab für die Qualität der elterlichen Haltung bezeichnet er die Bereitschaft zur Annahme kindlicher Herausforderungen und ihre Umwandlung in „mehr und besseres Leben“ (S. 58). Er zeigt eine Richtung auf und macht Mut, ihr zu folgen, denn: „Wir leben in einer Welt, in der es nicht nur möglich geworden ist, persönliche Entscheidungen zu treffen – es ist notwendig geworden!“ (S.18). Jesper Juuls Hoffnung, nach der Lektüre des Buches mehr über sich selbst zu wissen, wird sich für aufmerksam nachdenkende Leserinnen und Leser auf jeden Fall erfüllen.

Detlef Träbert

neue AKZENTE Nr. 103, 1/2016

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