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Allgemein

F. Braus

EinBlick ins Gehirn

Eine andere Einführung in die Psychiatrie

ISBN-13: 978-3131333537
Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2. Auflage 2010
Preis: 39,99 €

 

Das Buch „EinBlick ins Gehirn“ entspricht in Aufmachung und Gestaltung der Reihe medizinischer Bücher und Fachliteratur für Gesundheitsberufe des Thieme Verlages. Mit gleicher Wortgebung des Titels wurden von Herrn Prof. Dr. Braus zwei weitere Bücher veröffentlicht („Psychiatrie als angewandte klinische Neurowissenschaft“ und „Moderne Bildgebung in der Psychiatrie“). Die 1. Auflagen der Bücher entstanden unmittelbar zeitgleich. Hier kann man weitere Einblicke erhalten.

Das Layout des Buches ist sehr ansprechend. Sowohl das Schriftbild, als auch der zweispaltige Druck erleichtern das Lesen und damit das Verstehen. Der Titel verspricht

„besondere“ Einblicke. Beim ersten Durchblättern des Buches habe ich dies sofort auf eine dem Betrachter entgegenkommende Art und Weise interpretiert, hier anspruchsvolles, fachliches Wissen für den Leser verständlich und klar aufzubereiten.

Der Inhalt ist in sechs Themengebiete unterteilt:

•             Psychiatrie im Kontext der Neurowissenschaften

•             Hirnentwicklung und Neuroanatomie

•             Plastizität – biologische Grundlage der Veränderung

•             Grundlagenforschung für die Psychiatrie des 21. Jahrhunderts

•             Psychiatrische Erkrankungen

•             Ausblick

Alle Abkürzungen sind erklärend aufgeführt. Das Buch verfügt über ein ausführliches Literatur- und Sachverzeichnis. Dem Leser wird ein sehr hohes medizinisches Wissen in Erklärung und Umfang geboten im Wechsel mit Bild- und Textanteilen, die in unterschiedlicher Variation eine Auflockerung des Inhaltes ergeben. Hier findet man sowohl klar strukturierte, übersichtliche Tabellen und Schaubilder, um beispielsweise Systeme, Regelkreise oder diagnostische Bausteine darzustellen, als auch Zeichnungen und Fotos, die, angefangen von detailgenauer Wiedergabe von neuro- wissenschaftlichen Vorgängen, bis hin zu einer Metaphorik reichen, um zu vereinfachen. Besondere Ergänzungen und Hinweise sind zusätzlich farbig unterlegt.

Der Lesestoff ist so gegliedert, dass Zusammenhänge erkennbar sind und ein übergeordnetes Ganzes ergeben. Trotzdem hat jedes Kapitel seinen eigenen Reiz. Hier kann man sich sowohl durch alle Themen tragen lassen als auch spezielle Informationen abrufen. Dies lässt zu, dass trotz der Tatsache, dass man ohne Fremdwörter nicht auskommen kann, auch dem Laien gründliche Einblicke in hoch komplizierte Abläufe und Geschehnisse zuteilwerden. Und dies, bei einer durchschnittlichen Auffassungsgabe, sogar sehr schnell. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass fachliche Vorkenntnisse und Wissen hilfreich sind, auch in Bezug auf Literaturverweise.

Der Autor selbst stellt den Inhalt des Buches als Theoriegebäude der Hirnfunktionen dar, die durch Themen der Neurowissenschaften, der Naturwissenschaften und der Lebens- und Kognitionswissenschaften gespeist werden. Das Buch soll Interesse an der Psychiatrie wecken. Im Kurrikulum der Ausbildungen in der Psychiatrie und der Psychotherapie gewinnen Einblicke in die Neurowissenschaften immer mehr an Bedeutung. Und selbst in anlehnenden Berufen ist ein gewisses Basiswissen aufgrund verlangter Interdisziplinarität unabdingbar. Einzelne Aspekte der Neurowissenschaft kann ich als „Nichtmediziner“ nicht beurteilen, aber alle Blickpunkte in Hinsicht auf visuelle Kommunikation würde ich als sehr gelungen einstufen. Der Autor beschreibt sein Buch als ausführliche Beschäftigung mit dem „Social Brain“. Dies vor dem Hintergrund eines für mich auch heilpädagogischen Ansatzes, wie ich ihn aus meiner Arbeit kenne. Erfolgreiche Begleitung eines Patienten kann nur entstehen, wenn man sein Umfeld und seine Lebenswelten mit einbezieht. Auch die Frage zu Bewertung nur durch klinische Diagnosen kommt meinem Denken sehr entgegen. Man muss feststellen, dass auch im ADHS-Bereich Beratung weit über Grundsätzliches von Schule und Medikation hinausgeht.

„Ausflüge“ in die Soziologie, Philosophie und Erklärungen zu Evolution, Urvertrauen, Bedeutung von Mythen und vielem mehr bereichern das Buch in seiner Vielfalt. Zusammenhänge werden verständlich, die man sich nicht unbedingt als zusammengehörig vorgestellt hätte. Die Bedeutung von Optimismus und täglichem Lachen im Leben wird nicht nur anschaulich, sondern trägt auch dazu bei, dass man trotz (für manchen Leser) schwierigen Textpassagen mit Erwartung weiterliest. Beispiele, wie assoziative Wahrnehmung in Bezug auf interkulturelle Zuordnungen, schaffen eine gute Annäherung der theoretischen

Ansätze an die Praxis. Hier kann sich jeder in seinen Erfahrungen des Alltags wiederfinden. Fachlich im Detail aufgeschlüsselte Fakten vermitteln wichtige Informationen, um auch in therapeutischen Bereichen Hintergrundwissen zu erfahren. Sehr ausführlich werden Verbindungen deutlich, zwischen Störungsbild, Defiziten, Diagnosen und Auswirkungen. Sie können letztendlich nur in ihrer Gesamtheit „behandelt“ werden. Beispiele anhand von evaluierten Studien, Experimenten und Tiermodellen zu Themen wie Bindungstheorien, Belohnungssystem, Aspekte für das Gelingen von Handlungsabläufen, Entscheidungsfindung und Verhaltensstrategien weisen auf, welche Komplexität hier beachtet werden muss. Obgleich anhand von James Bond und der Klimakonferenz manchem Leser durchaus die Übertragung des Gelesenen in seine Realität in gelungener Weise leichter fallen könnte, ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein hohes Maß an therapeutischem Potenzial erforderlich ist. Der „Ausblick“ des Buches ist in seinen Inhalten sehr ehrlich mit dem gleichzeitigen Anspruch an die „Fachwelt“, sich der eigenen Arbeit bewusst zu sein in ihren Erfolgen und Folgen.

Aus meiner Sicht – auch als Grafikerin – würde ich mir wünschen, dass aus der Umschlaggestaltung und der Inhaltsangabe auf der Rückseite (in Ansätzen vorhanden) deutlicher hervorgehen würde, welche Kostbarkeiten außerhalb von medizinischem Wissen im Buch zu finden sind. Es sollte erkennbar sein, dass der Leserkreis weit über die Berufsgruppe der Psychiater und Psychotherapeuten hinaus hier nicht nur eine Wissensbereicherung erfährt, sondern auch ein absolutes Lesevergnügen erhält.

Dipl.-Des. Astrid Bojko-Mühr
neue AKZENTE Nr. 101 / 2015

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