Hypoglykämien, Umweltgifte und Mikronährstoffdefizite
von Renate Meyer
Hypoglykämien
Es gibt nur wenige psychiatrische Symptomenbilder, bei denen hypoglykämische Anfälle nicht bereits differential-diagnostisch in Erwägung gezogen wurden. Deshalb sollte bei der Diagnose des ADHS auch an die Hypoglykämie gedacht werden.
Flache Glucosetoleranzkurven werden im Zusammenhang mit ADHS schon seit langem beobachtet und teilweise wird über eine regelrechte Sucht auf Süßes berichtet. Insbesondere dann, wenn im Zusammenhang mit diesen Heißhungerattacken eine Zunahme der ADHS-Symptomatik zu beobachten ist, sollte eine Störung der hormonellen Regelmechanismen der Blutzuckerhomöostase ausgeschlossen werden.
Für den Nachweis der Hypoglykämie stehen verschiedene Tests zur Verfügung, die sich in erster Linie nach der Art der vermuteten Hypoglykämieform richten.
Literatur:
Prof. Dr. O. Schrappe, Neurologische und psychiatrische Symptome durch Hypoglykämie, Therapiewoche 30, 4783-4787 (1980), Verlag G. Braun, Karlsruhe
Prof. Dr. M. Hamm, Dr. M. Berger: ADHS bei Erwachsenen – Die Nährstofftherapie, Schlütersche, Hannover 2010, ISBN-13: 978-3899935776,
(das Buch beinhaltet u.a. Hinweise zum Verzehr von Nahrungsmitteln mit niedrigem glykämischen Index bei ADHS)
Weitere Informationen über Hypoglykämien:
Arbeitsgemeinschaft Erkrankungen mit Unterzuckerung e.V.
Gerda Hoppe, Bachstr. 61, 22083 Hamburg, Tel: 040-225167
Renate Stoltenburg, 91564 Neudettelsau, Tel: 09874/ 1248
Internet:
www.hypoglykaemie-bayern.de
www.migraeneinformation.de/molmain/main.php?docid=353
www.migraeneinformation.de/molmain/main.php?docid=67
Umweltgifte
Viele chemische Stoffgruppen wie Metalle, Lösemittel, Pestizide und andere organische Substanzen incl. Alkohol haben neurotoxische Eigenschaften, wobei Kinder auf diese sehr viel empfindlicher reagieren als Erwachsene. Einige Neurotoxine haben eine eindeutige Wirkung auf die Intelligenz, die sprachliche Fähigkeit und die Aufmerksamkeit, andere machen sich im emotionalen oder sozialen Verhalten bemerkbar. So können Neurotoxine in den Aufbau von Neurotransmittern oder ihren Rezeptoren eingreifen oder sie hemmen den Abbau und die Weiterverarbeitung der Neurotransmitter, nachdem diese ihre Aufgabe erfüllt haben.
Literaturempfehlung:
U. Sauerbrey, ADHS durch Umweltgifte?, IHS Garamond 2010, ISBN-13: 978-3941854147
Klaus-Dietrich Runow, Wenn Gifte auf die Nerven gehen, Südwest 2008, ISBN-13:978-3517083872
Internet:
http://www.kindheit-und-umwelt.net
http://www.familienhandbuch.de
Mikronährstoffdefizite
Vitamin-, Mineralstoff- und Spurenelementmangel sowie Mangel an essentiellen Fettsäuren
Vitamin-, Mineralstoff- und Spurenelementmangel sowie der Mangel an essentiellen Fettsäuren führt neben physischen Störungen auch zu psychischen Störungen oder verstärkt sie. So wird z.B. der Gehirnstoffwechsel nachhaltig durch Zink beeinflusst, da zahlreiche neurochemische Stoffwechselprozesse zinkabhängig verlaufen. Eisen übt als Enzymbestandteil wichtige Funktionen bei der Neurotransmission aus. Magnesium fungiert als Cofaktor vieler Enzymsysteme, außerdem besitzt es einen membranstabilisierenden Effekt gegenüber einer überschießenden Sekretion von Stresshormonen. Weiterhin wird die Bindung von Neurotransmittern an die postsynaptische Membran durch Vitamin-B6 beeinflusst. Die vorstehende Aufzählung beeinhaltet jedoch nur einen kleinen Überblick aus der Vielzahl der beschriebenen Funktionen der genannten Elemente. Aber auch andere Nährstoffe sind notwendig für die reibungslose Funktion des Nervensystems.
Daher sollten im Rahmen der Diagnostik von ADHS eventuelle Mangelzustände, deren Ursache in einseitiger Ernährungsweise, mangelnder Aufnahmefähigkeit durch Affektionen des Darmes, einer Störung bei der Verarbeitung der Substanzen durch den Stoffwechsel oder durch einen gesteigerten Bedarf in Zeiten größerer Belastung begründet sein können, durch gezielte Untersuchungen erfasst und entsprechend behandelt werden.
Diverse wissenschaftliche Untersuchungen, bei denen durch Laboranalysen Mängel an bestimmten Nährstoffen festgestellt wurden und Untersuchungen, bei denen man eine Nährstofftherapie mit bestimmten Nährstoffen getestet hat, belegen die Möglichkeit, Nährstoffe bei der Behandlung von ADHS einzusetzen.
Im Journnal of Attention Disorders Vol. 3, No. 1, 1999, 30-48 ist von L.E. Arnold eine Zusammenstellung der Studien über sog. Alternativ-Therapien ”Treatments alternatives for ADHD” erschienen. Neben einer Beurteilung der in den USA angebotenen Alternativ-Therapien wird auch zu verschiedenen Studien über Nährstoffe Stellung genommen.
Internet: www.turnertoys.com/ADHD/AlternativeTreatments.htm
Bei der Bestimmung von Mineralstoffen und Spurenelementen im Blutserum ist weiterhin zu berücksichtigen, dass hiermit nicht zwangsläufig auch Rückschlüsse auf die zelluläre Versorgung gezogen werden können. Da aber z.B. 99% des Eisens, 90% des Kaliums, 90% des Zinks, 70% des Magnesiums und 70% des Selens ausschließlich in den zellulären Blutbestandteilen enthalten sind, stellt die Vollblutanalyse einen wesentlich aussagekkräftigeren Untersuchungsparameter gegenüber der meist angewandten Serumanalyse dar.
Weitergehende Ausführungen zur diagnostischen Relevanz von Mineralstoffbestimmungen im Vollblut sind über das Internet abrufbar unter: www.labor-bayer.de/publikationen/1_mineralstoffbestimmung.pdf
Magnesium:
Die Gesellschaft für Magnesiumforschung e.V. hat mit ihrer Empfehlung „Magnesiummangel und -therapie bei ADHS“ darauf hingewiesen, dass sich die ADHS-Leitsymptome wie Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität und Impulsivität mit der Magnesiummangel-Symptomatik überlappen. Sie empfiehlt daher die Plasma bzw. Serumkonzentration in der Routinediagnostik und Überwachung aller Patienten mit ADHS-Symtomatik bzw. -Diagnose zu messen, wobei Konzentrationen im Referenzbereich der Plasma/Serum-Magnesiumkonzentration von 0,76-1,1mmol/l einen Magnesiummangel nicht ausschließen. Die Diagnostik des Magnesiummangels basiert daher auf den drei Säulen Klinik, Anamnese und Labor, wobei sich die Indikation für eine Magnesiumtherapie in erster Linie aus der Klinik und Anamnese ergibt. Meist ist eine Dauertherapie erforderlich:
Magnesiummangel und -therapie bei ADHS, Empfehlung der Gesellschaft für Magnesiumforschung e.V.; D.-H.Liebscher, K.Baerlocher; H.G.Classen, U.C.Liebscher, G.-W.Ratzmann, W.Vierling, A.Weigert, K.Kisters: Nieren-und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 40, Nr 3/2011, S. 123-128
Magnesiummangel ist auch nicht immer ein Ernährungsproblem, sondern kann auch genetisch bedingt sein:
http://www.charite.de/charite/presse/pressemitteilungen/artikel/detail/magnesiummangel_nicht_immer_ein_ernaehrungsproblem/
Magnesiummangeltetanie – eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung; D.-H.Liebscher und U.C.Liebscher: Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 5/2010, S. 209-219
Internet:
www.magnesiumhilfe.de/index.php
www.magnesiumhilfe.de/poster200811.php?q_lang=de
www.mg-mangel.de/
www.magnesium-ges.de/index.php?start=start&navi=start
Zink
Studie im Zusammenhang mit Zink und ADHS:
S Akhondzadeh et al, Zinc sulfate as an adjunct to methylphenidate for the treatment of attention deficit hyperactivity disorder in children: A double blind and randomized trial, BMC Psychiatry 2004, 4:9
Internet: www.biomedcentral.com/1471-244X/4/9
Bilici M et al, Double-blind, placebo-controlled study of zinc sulfate in the treatment of attention deficit hyperactivity disorder, Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2004 Jan;28(1):181-90.
Internet: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14687872
Ein Zinkmangel-Risiko-Test (mit Risikofaktoren für einen Zinkmangel und möglichen Zinkmangel-Folgebeschwerden) ist über das Internet abrufbar unter: www.zinkmangelrisiko-test.de
Fettsäuren:
Alexandra Richardson, University Laboratory of Physiology, Oxford University, U.K., 2002,
Welche Rolle spielen Fettsäuren bei Dyslexie, Dyspraxie, ADHD und Autismus?
Internet: www.durhamtrial.org
Internet: pediatrics.aappublications.org/cgi/content/full/115/5/1360
M. Huss et al, Supplementation of polyunsaturated fatty acids, magnesium and zinc in children seeking medical advice for attention-deficit/hyperactivity problems - an observational cohort study, Lipids in Health and Disease 2010, 9:105
Internet: http://www.lipidworld.com/content/9/1/105
K.-P. Grosse, Fettsäuren – eine Therapiealternative bei ADHS?
Internet: Omega-Fettsäuren - neu in der Behandlung des ADHS
Internet: Omega Fettsäuren: Neu in der AD(H)S-Therapie
Pressemitteilungen der Gesellschaft für Biofaktoren:
http://www.gf-biofaktoren.de/Presse2008_ADHS_1.html
http://www.gf-biofaktoren.de/Presse2008_ADHS_2.html
Literaturempfehlung:
Dr. C. Krebs: Nährstoffe für ein leistungsfähiges Gehirn, VAK Concept 2004, ISBN-13: 978-3935767477
Burgersteins Handbuch Nährstoffe, Karl F. Haug Verlag 4/2007, ISBN-13: 978-3830421948
Prof. Dr. M. Hamm, Dr. M. Berger: ADHS bei Erwachsenen – Die Nährstofftherapie, Schlütersche, Hannover 2010, ISBN-13:978-3899935776
P. Holford, D. Colson, Optimale Gehirnernährung für Kinder, Vak-Verlag 2011, ISBN-13: 978-3867310208
Dr. Alex Richardson, They Are What You Feed Them: How Food Can Improve Your Child’s Behaviour, Learning and Mood, Taschenbuch 2006, Harper Thorsens 2006, ISBN 978-0-00-718225-1
Ein Blick über die Grenzen
Organisationen/Institutionen im Ausland, die sich mit dem nahrungsmittelinduzierten ADHS befassen:
Elpos Schweiz-Dachverband http://www.elpos.ch/links.htm
Feingold Association of the United States, 127 E. Main Street # 106, Riverhead, NY 11901, Internet: www.feingold.org/home.html
Onderzoeks Centrum voor Hyperactiviteit en ADHD, Drs. L.M.J. Pelsser, Liviuslaan 49, 5624 JE Eindhoven, Internet: http://www.pelsser.nl/
Direkter Link zu: