Für Erwachsene und Therapeuten

Wir fühlen uns anders!

Wie betroffene Erwachsene mit ADS/ADHS sich selbst und ihre Partnerschaft erleben

Doris Ryffel-Rawak

Verlag Hans Huber, 2003

ISBN-13: 978-3456845159

 

In ihrem zweiten Buch zum Erwachsenen-ADS lässt die Autorin eine ganze Reihe Betroffener zu Wort kommen. Die exemplarische Feststellung Wir fühlen uns anders, die auch dem Buch seinen Titel gab, ist das typische Lebensgefühl dieser hochsensiblen Menschen. Ihre Befindlichkeit als Außenseiter im Alltag hat die Autorin aus erster Hand gut nachvollziebar beschrieben.

Im Kapitel ADHS und Kreativität erzählen zwei Frauen, wie sie ihre Begabung entdeckten und daraus seelisches Kapital schlugen.

Konflikte in der Partnerschaft und Familie heißt ein anderes. Hier werden sehr offen und schonungslos gegen sich selbst Partnerkonflikte und Sexualitätsprobleme besprochen. Oft erkennen diese Menschen erst sehr spät bei sich mangelnde Impulskontrolle und eingeschränkte Steuerung. Die Scheidungsrate unter den ADS-Erwachsenen – so die Autorin – ist ungewöhnlich hoch.

Im Kapitel Diagnose und Therapie berichten – quasi stellvertretend für alle anderen – vier Patienten über die gelungene Therapie mit Stimulanzien, vielfach in Verbindung mit Antidepressiva und Verhaltenstherapie. Die Erleichterung, sich unter der Therapie wie neu zu erleben, ist mit Händen zu greifen.

Zum Schluss gibt die Autorin drei wichtige Ratschläge:

Die Therapie ist – im Unterschied zu derjenigen mit Kindern – von den Betroffenen selbst zu veranlassen.

Wer auch immer glaubt, an einer ADS zu leiden, sollte sich vorher genauestens nach dem Wissenstand und der Befähigung möglicher Therapeuten in Bezug auf ADS erkundigen.

Keine Selbstdiagnose stellen!

Zu erwähnen sind noch die feinen Illustrationen, die von der Autorin selbst stammen und um die Themen »Mein Gegenüber« und »Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft« kreisen.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Bei der Lektüre werden sich viele bis dato unbehandelte Erwachsene wiederfinden und sich in ihrem Frust und ihrer eingeschränkten Lebensqualität bestätigt fühlen. Die Sehnsucht nach einem Leben in Normalität ist hier wie dort sehr groß.

Bleibt zu wünschen, dass die Bücher rechtzeitig ihre Leser finden, und dass sie sich, um der Sache der ADS willen, eines Tages überflüssig machen.

Margarete Gatzen

aus die AKZENTE Nr. 63

 

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