Für Erwachsene

ADHS und Partnerschaft - eine Herausforderung

Doris Ryffel-Rawak

Huber, Bern, 2007

ISBN-10: 3456844557

ISBN-13: 978-3456844558

Preis: € 18,95

Doris Ryffel-Rawak stellt eine fiktive Patientengruppe vor, – Betroffene, nicht betroffene Partner und Partnerinnen, Kinderlose und Eltern. Sie alle nehmen miteinander den Dialog auf und beleuchten einen gemeinsamen Nenner: ADHS.

Sie schildern wie diese besondere Art zu sein, die durchaus mehr oder weniger starken Krankheitswert annehmen kann, ihr Leben innerhalb der Partnerschaft prägt. Was häufig beginnt wie ein Feuerwerk der Liebe und Leidenschaft, mündet nicht selten in ein dramatisches Chaos mit zahlreichen Stolpersteinen.

Es zeichnet die Autorin aus, dass sie die realistischen Schilderungen innerhalb dieser Gruppe sehr facettenreich, voller Empathie und Sachkenntnis zu Papier bringt.

Doris Ryffel-Rawak ist anerkannte Fachfrau, wenn es um ADHS geht. Ihre bisherigen Bücher »Wir fühlen uns anders«, »ADHS bei Erwachsenen«, »ADHS bei Frauen« haben uns in den vergangenen Jahren bereits einen umfassenden Überblick über das gefühlte Erleben von Menschen mit ADHS gegeben.

Dass ADHS in der Partnerschaft noch einmal besonderes Gewicht bekommt, zeigen uns die Erkenntnisse aus den vorgestellten Gruppensitzungen. Ob es die Impulsivität, der Umgang mit Frustrationen, aufschiebendes Verhalten, mangelnde Zeitplanung, nicht zu Ende geführte Haushaltspflichten, mangelndes Abgrenzungsvermögen oder ein desolates Selbstwertgefühl sind – sie hinterlassen Spuren im Alltag und entwickeln sich zum Beziehungskiller.

Über eigene Gefühle, Wünsche und Erwartungen in der »Ich-Botschaft« zu sprechen, fällt bekanntlich auch vielen Paaren schwer, die nicht von ADHS betroffen sind. Wenn sie jedoch eindeutige ADHS-Symptome mit unterschiedlichen Ausprägungen vorzuweisen haben, die extrem belastend sein können, rät die Autorin folgerichtig als Königsweg zu einer medikamentösen Behandlung mit einer parallel begleitenden Psychotherapie, in der emotionale Unterstützung, Wertschätzung und Respekt wichtig sind.

Die Herausforderungen im Umgang mit ADHS anzunehmen, wird belohnt mit persönlichem und gemeinsamem Wachstum, – insbesondere, wenn es in der Therapie gelingt, dass ein Paar ADHS-typische Verhaltensweisen erkennt, sich ihnen stellt und versucht im Gespräch zu bleiben und ohne Schuldzuweisungen nach Lösungen zu suchen.

Ich glaube Doris Ryffel-Rawak aufs Wort, dass sich die Arbeit mit ADHS-Betroffenen, deren Partnern und Familien lohnt. Auch wenn diese Begleitung viel Leid erkennen lässt, ist sie jedoch ebenso gekennzeichnet von zahlreichen glücklichen Augenblicken und viel versprechenden Entwicklungen innerhalb der Partnerschaften und Familien, – damit verbunden ein Plus für die nachfolgende Generation.

Die von der Autorin stammenden symbolhaften Collagen »Emotionale Labilität«, »La grande illusion« oder »Die Suche nach dem Kick« u. v. m. illustrieren dieses Buch auf gelungene Weise und erleichtern vielleicht manchen von ADHS betroffenen Lesenden die Lektüre, weil sie sich nicht in einer »Bleiwüste« verlieren ...

Wer sich mit dem Thema ADHS und Partnerschaft und den damit verbundenen Herausforderungen auseinander setzen will oder muss, dem empfehle ich dieses Buch mit den spannenden Falldarstellungen, der präzise geschilderten klinischen ADHS-Symptomatik und einer klaren Ansage, dass in der Forschung noch weiterführende Arbeit zu leisten ist.

Karin Knudsen

aus neue AKZENTE Nr. 79 - 2008

 

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