Für Erwachsene

Sören Schmidt und Franz Petermann

„ADHS-E. ADHS-Screening für Erwachsene“

Art.Nr.: 3550.00
Verlag: Pearson Assessment & Information GmbH,
Frankfurt 2009
Preis: 110,00 Euro (zzgl. 7% UST, zzgl. Versandkosten)

Als Resultat einer Doktorarbeit legt Sören Schmidt gemeinsam mit F. Petermann eine Skala zur Erfassung der ADHS im Erwachsenenalter vor. Hierbei wird unterschieden zwischen einer Kurzform (ADHS-E) mit 25 Fragen und einer Langform (ADHS-LE) mit 67 Fragen. Beide Fragebogen erfassen die Symptome Emotion und Affekt, Aufmerksamkeitssteuerung, Stresstoleranz, Impulskontrolle und Disinhibition, Unruhe und Überaktivität sowie einen Gesamtwert. Dies entspricht dem ADHS-Selbstbeurteilungsbogen aus den Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene. In der längeren Version (ADHS-LE) sind zusätzlich Fragen bezüglich ADHS-Symptomen in der Kindheit enthalten, die gute Korrelationen mit der Wender-Utah-Rating-Scale (WURS-k) zeigen.

Die Referenzstichprobe für die Langzeitform umfasst 1.296 Teilnehmer von Verkehrsschulungen, von denen über die Hälfte 18 bis 25 Jahre alt waren; nach Aussage der Autoren ist davon auszugehen, dass die Werte einer nicht-klinischen Gruppe weitgehend alters- und geschlechtsunabhängig sind, sodass auf eine altersmäßige Unterteilung der Standardwerte verzichtet wurde. Inwieweit ausgerechnet Teilnehmer an Verkehrsschulungen als Norm gegenüber einem ADHS-Kollektiv gelten können, erscheint fraglich, wenn man bedenkt, dass gerade Patienten mit ADHS im Straßenverkehr gehäuft auffällig werden. In Frage 25 der Langform bzw. 11 der Kurzform wird als eines der invertierten Items aufgeführt: „In stressigen Momenten bewahre ich in der Regel einen kühlen Kopf.“ Entsprechend einer theoretischen Vorstellung von unstrukturiertem Leben wird hier übersehen, dass unter den Betroffenen eine ganze Reihe zu ihrer eigenen Überraschung konstatieren, wie sie in eine Hyperfokussierung geraten und gerade in Stress-Situationen im Gegensatz zur Umgebung den Überblick behalten und besonders handlungsfähig sein können.

Offen bleibt die Frage nach der Notwendigkeit eines weiteren statistischen Manuals zur Erfassung der ADHS, nachdem international mit WURS, dem Brown-ADD-Scale und den Conners Adult ADHD Rating Scales (CAARS) sehr erprobte Fragebogen vorliegen und in Deutschland bereits die Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene existieren. Es sei vermerkt, dass die frei zugängliche, lediglich aus sechs Fragen bestehende Kurzform der Adult ADHD Self Report Scale (ASRS) der WHO eine hohe Spezifität aufweist und damit als erstes Screeninginstrument durchaus geeignet ist.

Gerade in Anbetracht der häufigen psychiatrischen Komorbiditäten bei der ADHS im Erwachsenenalter sind für die exakte Symptomerfassung und Therapieplanung sicher nicht vom Patienten ausgefüllte Fragebogen wesentlich, sondern die nur in direktem Kontakt mit dem Patienten mögliche psychiatrische Befunderhebung. So finden sich überraschenderweise hochsignifikante Korrelationen (p<0,01) zwischen dem Gesamtwert in ADHS-E sowie ADHS-LE und paranoidem Denken im BSI – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Diagnosestellung eben nicht nach Fragebogen, sondern mittels eingehender psychiatrischer Exploration durch einen erfahrenen und gut ausgebildetem Untersucher erfolgen muss. Die Autoren der vorliegenden Skalen betonen selber, dass die Diagnose einer ADHS im Erwachsenenalter eine primär klinische ist.

Dr. Johanna Krause
neue AKZENTE 87 / 2010

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