Für Eltern und Erzieher

ADHS – So fördern Sie Ihr Kind

Christine Ettrich / Monika Murphy-Witt

Gräfe und Unzer, 2003

ISBN-10: 3774257922

ISBN-13: 978-3774257924

Preis: € 12,90

Es ist immer wieder überraschend, wie variantenreich Bücher über ADHS sein können. Die beiden Autorinnen, Christine Ettrich, Professorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uni Leipzig, und Monika Murphy-Witt, Journalistin, geben ein Beispiel dafür. Ihr Buch richtet sich in erster Linie an betroffene Eltern, will Hilfestellung im täglichen Leben geben.

Zunächst besticht das Buch durch die äußere Form. Das ist deswegen erwähnenswert, weil es Menschen, die nicht gewöhnt sind, sich mit Fachliteratur auseinander zu setzen, die Scheu davor nimmt: Es ist handlich, nicht zu dick, originell bebildert, optisch gut gegliedert. Beim Durchblättern fallen deutlich abgesetzte griffige Überschriften, dazu blau unterlegte wichtige Tipps und orange-unterlegte Coaching-Kniffe ins Auge sowie ein Verzeichnis mit Spiel- und Sachregister.
Nun nützt aber die bester Verpackung nichts, wenn nicht auch der Inhalt stimmig ist. Schauen wir uns den einmal an:

Das erste Drittel des Buches informiert unter der Prämisse „Chronisch, aber nicht unveränderbar“ über Erscheinungsbild und Ursachen, und geht der Frage nach, welche therapeutischen Mögichkeiten es gibt: Verhaltenstherapie, Elterrntraininng, sensorische Integrationstherapie, Psychomototrik u. ä.. Dann erscheint, in zehn verschiedenen Themen unterteilt, eine Checkliste, mit deren Hilfe Eltern das ganz spezielle ADS-Profil ihres Kindes ermitteln können. Wer diese insgesamt gut hundert Fragen ehrlich beantwortet, dem wird im dann folgenden zweiten Teil des Buches die Möglichkeit geboten, zu Hause etwas zu tun, solange Konsequenz, Beharrlichkeit und Zeit zur Verfügung stehen. Diese Hilfen werden in Form von Spielen und Bastelanleitungen für die ganze Familie, für Mutter/Vater und Kind alleine sowie für drinnen und draußen angeboten. Dieses sogenannte 10-Punkte-Programm wird genau analog den Kapiteln der Checklisten entwickelt. Wer z. B. Ein Kind mit gestörter Eigenwahrnehmung hat, kann unter diesem Thema nachschlagen und findet dort Spiele wie Rückentafel, Fühlspaziergang, Anleitung zum Basteln eines Fühlmemorys, Vorschläge für Balanceakte sowie Beschreibung von Sportarten, die diese Störung auffangen. Genauso wird verfahren für Themen wie Konzentration, Gedächtnis, Entspannung, Geschicklichkeit, Regeln, Selbstbewusstsein u. ä. m.. Das alles wird so anregend, zum Mitmachen einladend beschrieben, dass man große Lust bekommt, gleich damit anzufangen.

Dennoch seien ein paar Fragen erlaubt, z. B. die, welches Elternbild bei den Autorinnen Pate gestanden hat? Scheinbar erholte Mütter und aufgeräumte Väter. Was aber, wenn die Eltern selber – sehr oft sind es ja die Väter – von ADS betroffen sind, wenn Ärger, Stress und Ungeduld groß sind und die Bereitschaft gering ist, am Abend und an den Wochenenden Gewohntes durch Neues, dem Kinde Nützliches zu ersetzen? Was, wenn zwischen Mutter und Kind, verursacht durch den jahrelangen täglichen Kleinkrieg, Mechanismen ablaufen, die eine normale Kommunikation gar nicht mehr zulassen? Solche Eltern – und das sind nicht wenige - brauchen erst mal selber einen Coach, um mit ihren Kindern arbeiten zu können.

Aber das Buch wird seine Leser finden. Eltern, die Veränderung/Besserung suchen und wollen, haben die Chance, aus einem großen Angebot auszuwählen (so ist es wohl auch gedacht) und das genau herauszufinden, was gerade gebraucht wird. Und noch etwas: Auch für Kindergeburtstage, kleine Kindergartengruppen oder entsprechende Grundschulgruppen bietet sich viel Sinnvolles an, denn nicht nur ADS-Kindern, auch den altersgemäß entwickelten Kindern tut diese Art von intensiver Beschäftigung gut.

Margarete Gatzen

aus die AKZENTE Nr. 36

 

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