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Medien

Stellungnahme zum Artikel "Adrians neues Leben" im stern Nr. 10/2010

Im Vorfeld der Ausstrahlung von „Wo die starken Kerle wohnen“ im Rahmen der ZDF-Sendereihe 37 Grad veröffentlichte auch die Zeitschrift „stern“ einen weiteren Artikel zum Alm-Projekt. Unter dem Titel „Adrians neues Leben“ geht der „stern“ ausführlich auf das Schicksal dieses einen Jungen erneut ein, erwähnt drei weitere Teilnehmer am Rande und verschweigt die Entwicklung der anderen sieben Kinder in der Folge des Alm-Camps. Adrian, das ist der neunjährige Bub, von dem die Betreuer am Ende des Camps selbst sagten, dass sie in acht Wochen nicht an ihn herankamen. Nach der Rückkehr von der Alm sei er „anfangs in seine alten Muster zurückgefallen, schlug andere, er log, er klaute“. Erst die Lehrerin an der neuen Schule schaffte das, was den Betreuern auf der Alm nicht gelang: „Ich habe Adrian klar gemacht, dass ich sein Verhalten nicht mehr akzeptiere. Und er für sein Verhalten selbst verantwortlich ist.“ Er hat es dort gelernt, wo er es lernen musste: in der Schule, in der Wirklichkeit seines Alltags.

Ein anderer Junge wird im Kuhstall abgebildet, mit Bauer und Mistgabel. Malte habe Probleme, sich „in der Enge der Schule zu bewegen“. Daher hilft er derzeit auf einem Bauernhof mit, offensichtlich anstelle des Schulbesuchs. Beim Dreh der ZDF-Filmcrew von 37 Grad wenige Monate nach dem Almaufenthalt war er noch in einer Schule, ein weiterer Neuanfang in einer besonderen Einrichtung, der allem Bemühen zum Trotz scheiterte. Sechs von elf teilnehmenden Jungen wechselten nach dem Alm-Camp die Schule bzw. waren oder sind aufgrund ihres Verhaltens vom Schulausschluss bedroht. Von dieser Zahl, dem Schicksal der Kinder und dem Leben ihrer Familien liest man im „stern“ leider nichts.

Nicht einer, wie in „stern“-Artikel und ZDF-Reportage zum Zeitpunkt ihres Entstehens mitgeteilt, sondern vier der Jungen nehmen inzwischen wieder Medikamente. Ihre Eltern sind nicht zu „sehr mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt“, so dass sie ihre Kinder „nicht auffangen können“, wie es der „stern“ im Fall des einen Jungen suggeriert. Sie stehen nur an derselben Stelle, an der sie vor dem Alm-Camp waren, das zumindest diesen Kindern nicht allzu viel geholfen hat.

Wie bereits die Reportage vom Oktober 2009 ist der aktuelle „stern“-Bericht einseitig, selektiv, tendenziös. Der Autor blendet aus, was er nicht wahrhaben möchte: Die Zeit auf der Alm in der Gemeinschaft mit anderen Kindern, mit Tieren und in der Natur ist für alle Jungs ein großes Erlebnis gewesen – schön, wild, anstrengend, anders. Acht Wochen Almleben haben die Kinder aber nicht wesentlich verändert, und das ist gut so! Was auf der individuellen physischen Grundlage jedes einzelnen Kindes über die Jahre seines Lebens an Persönlichkeit gewachsen ist, kann zum Glück nicht durch die Erfahrung von ein paar Wochen grundlegend verändert werden. Nicht, wenn die Therapie ihrerseits kein Trauma sein will. Gute Erziehung und gute Therapie gewinnen die Kinder für ein Bekenntnis zum Leben in der Gesellschaft. An ihrem Ende steht der mündige Mensch. „Mama, ich mache nichts mehr ohne Deine Erlaubnis“, sagt Adrian gleich zu Beginn des neuen „stern“-Artikels. Hoffen wir, dass er stattdessen später einmal sagen wird: „Ich denke an Dich und andere, bevor ich etwas mache.“

Ursprüngliche Stellungnahmen zu „Zeit des Erwachens“ (stern Nr. 45 vom 29.10.2009)

Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Stellungnahmen von zwei weiteren ADHS-Selbsthilfe-Vereinen:

Stellungnahme von Tokol e. V.

Stellungnahme des ADHS Deutschland e. V.

 

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