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FAQ

FAQ: ADHS-Tage 2010

Im Rahmen der ADHS-Tage 2010 vom 19.02.2010 bis 21.02.2010 haben sich die Referenten freundlicherweise bereit erklärt, die gestellten Fragen, die vor Ort nicht beantwortet werden konnten, für uns noch einmal schriftlich zu beantworten.

Wir haben diese in Form von FAQs hier für Sie zusammengefasst:

Sollten die Eltern die Lehrer immer im Vorfeld über eine bestehende ADHS-Problematik informieren oder sollten/wollen sich die Lehrer zuerst ein eigenes Bild machen? 

Prof. Dr. Margarete Imhof, Uni Mainz:

Diese Frage ist nicht wirklich einfach zu beantworten. Wahrscheinlich gibt es Eltern, die mit beiden Vorgehensweisen gute Erfahrungen gemacht haben. Ich möchte folgendes zu bedenken geben: Wenn Lehrer sich „ihr eigenes Bild“ machen sollen, kann das u. U. sehr lange dauern, bis sie die Verhaltensweisen, die sie sehen, richtig einordnen.

Die Problemverhaltensweisen ...

sind erstens nicht bei allen Betroffenen gleich – die Verhaltenslisten in den Lehrbüchern geben da den falschen Eindruck wieder;

sind zweitens nicht so klar interpretierbar wie bei anderen Problemen oder Krankheiten (so wie beim Schnupfen: Wer Schnupfen hat, niest und schnäuzt - aber halt: sogar die Schnupfensymptome sind nicht eindeutig, denn manche niesen ja, weil sie eine Allergie haben)

sind drittens nicht stabil, sondern variabel: In der einen Situation geht alles klar, in der anderen nicht; an einem Tag ist gar nichts wirklich schwer, am anderen Tag jede Kleinigkeit. Das führt häufig auf der Seite der Lehrer nicht zu einem besseren Verständnis für das Kind, sondern eher zu der Interpretation: „Wenn er will, dann kann er. Wenn er nicht kann, dann will er einfach nicht!“ Und das wäre natürlich nicht hilfreich.

Wenn man also wartet, bis der Lehrer sein eigenes Bild macht, kann das zu einem unerwünschten Ergebnis und zu Zeitverlust führen.

Sagt man aber dem Lehrer gleich Bescheid, so kann das auch negative Konsequenzen haben. Viele Eltern berichten, dass sie erleben, wie ihr Kind – und oft sie selbst gleich mit – abgestempelt werden. Das Kind wird in die hintere Reihe gesetzt, es ist an allem „schuld“, was in der Klasse nicht läuft, wird ausgegrenzt (Wandertag nur ohne ihn!) usw.

Das muss aber nicht so sein. Wie in vielen anderen Lebenslagen auch, macht der Ton die Musik, kommt es also auf das „Wie“ an. Eltern mit einem Kind mit Aufmerksamkeitsstörungen teilen dies dem Lehrer am besten so mit, dass er konkret etwas damit anfangen kann. Meistens wissen ja die Eltern schon ganz gut, auf welche Maßnahmen ihr Kind reagiert. Dies kann man mit dem Lehrer besprechen. Manche Eltern haben sich mit Literatur eingedeckt – auch die kann man mit dem Lehrer teilen. Man muss dabei darauf achten, dass man die Fachkenntnisse des Lehrers nicht anzweifelt und unterstellt, er hätte sowieso keine Ahnung von der Problematik. Eltern sollten auch darauf achten, dass sie keine ganzen Bücherstapel vorlegen. Außerdem sollte die Literatur konkret auf die Schule bezogen und handlungsorientiert sein (Imhof, Skrodzki & Urzinger, 2010; Lauth & Naumann, 2009; Winter, 2010), damit der Lehrer etwas damit anfangen kann.

Die Eltern sollten im Lehrergespräch auch deutlich machen, dass sie bereit sind, mit dem Lehrer zusammenzuarbeiten, z. B. indem sie ein „Rosa Heft“ führen, in dem die Eltern und Lehrer sich kurz austauschen über das Kind. Sie sollten das nicht nur dann tun, wenn es schwierige Situationen gibt, sondern ganz routinemäßig auch dann, wenn es gut läuft, so dass in dem Heft auch positive Dinge stehen und Tage, die glatt verlaufen sind, für alle zum nachlesen notiert sind. Eine andere Möglichkeit der Zusammenarbeit wäre, wenn Lehrer und Eltern einen gemeinsamen Punkteplan oder Verstärkerplan durchführen.

Die Eltern sollten ihre Erwartungen an den Lehrer nicht zu hoch ansetzen. Der Lehrer hat den Auftrag, die Lernumgebung des Kindes so zu gestalten, dass es sich gut entwickelt, die schulischen Lernziele erreicht und in die Klassengemeinschaft integriert ist. Der Lehrer ist kein Therapeut für Besserung in allen Lebenslagen.

Literaturhinweise:

Imhof, M., Skrodzki, K. & Urzinger, M. (2010). Aufmerksamkeitsgestörte Kinder und Jugendliche im Unterricht. Donauwörth: Auer.

Lauth, G.W. & Naumann, K. (2009). ADHS in der Schule. Weinheim: Beltz.

Winter, B. (2010). „Komm, das schaffst Du!“ Aufmerksamkeitsstörungen und ADHS. Stuttgart: Trias Verlag.

Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen:

Grundsätzlich gilt, dass die Schule bei der Behandlung von ADHS als Kooperationspartner gewonnen werden sollte, da viele Behandlungsstrategien die Mitwirkung der Lehrkräfte erfordern. Ein offener Umgang ist eine gute Voraussetzung für eine solche Kooperation. 

Erziehung: Jungenpädagogik hat einen besonderen Stellenwert in der Erziehung. Jungen benötigen eine andere Erziehung/Vorbild als Mädchen. Inwieweit kommt den Jungen mit ADHS eine Erziehung in den ersten Jahren bis zur weiterführenden Schule die fast alleinige Erziehung durch weibliche Bezugspersonen erschwerend gegenüber Jungs ohne ADHS hinzu?

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Jungen brauchen in der Tat eine andere Erziehung. Und die fast ausschließliche Erziehung der Jungen durch Mütter, Lehrerinnen, Erzieherinnen ist eher ungünstig. Das ist nicht den Frauen selbst anzukreiden, sondern der Tatsache, dass Erziehung und Zuwendung als eher "weibliche Aufgabe" gelten. Einzelne Bundesländer haben daraus schon die Schlussfolgerung gezogen, dass sie gezielt Männer für erzieherische Tätigkeiten anwerben (z. B. Schleswig Holstein).

Ist Frontalunterricht nicht für alle Kinder gut?

Prof. Dr. Margarete Imhof, Uni Mainz:

Die Frage unterstellt, dass der Frontalunterricht Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen entgegen kommt, weil in dieser Situation der Lehrer möglicherweise am meisten Kontrolle über das Geschehen und die Schüler hat und weil der Frontalunterricht vielleicht aufgrund der Struktur eine klare Vorgabe macht, was, wann, wie lange zu tun ist.

Erstens muss man sagen, erfüllt nicht jeder Frontalunterricht diese Bedingungen. Man weiß vielleicht aus der eigenen Schulzeit noch, dass man sich auch im Frontalunterricht anderweitig beschäftigen kann als mit dem Thema, das der Lehrer vorgibt.

Die Problematik liegt aber tiefer. Frontalunterricht – wenn er über eine längere Zeit hinweg geführt wird – verlangt die Aufrechterhaltung von Konzentration über eine lange Zeit. Wenn Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen damit nicht klar kommen, dann schalten sie möglicherweise einfach irgendwann gedanklich ab, während der Lehrer weitermacht. Dann verpassen die Kinder möglicherweise etwas Wichtiges und keiner merkt es.

Frontalunterricht ist eher passiv und wortlastig. Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen lernen aber leichter, wenn sie aktiv sind (andere übrigens auch; das Nürnberger-Trichter-Modell konnte durch keine Forschungsergebnisse bestätigt werden) und wenn mehrere Sinne angesprochen werden. Beides – das Aktivwerden und das Lernen mit mehreren Sinnen – ist im Frontalunterricht nur begrenzt möglich.

Was am Frontalunterricht so attraktiv scheint, kann auch in anderen Lernformen umgesetzt werden. Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen brauchen Strukturierungshilfen. Die kann eine Lehrerin auch in Einzelarbeit und bei Gruppenarbeitsphasen geben. Auch – oder gerade – in der Einzelarbeit kann die Lehrerin dem Kind Unterstützung bei der Strukturierung geben, z.B. indem sie das Aufgabenblatt abknickt und erst einmal nur eine Aufgabe sichtbar macht. Sie kann auch in Einzelarbeitsphasen, dem Kind durch ein gezieltes nonverbales Signal, einen Blick, einen Fingerzeig, die Selbststrukturierung erleichtern: Fang jetzt an, mach hier weiter, u. ä. Die Strukturierung kann die Lehrerin auch mit Hilfe von externen Signalkarten oder Checklisten mit dem Kind einüben. Signalkarten, auf denen die Phasen der Aufgabenbearbeitung aufgezeichnet sind, können umgedreht werden, wenn diese Phase erledigt ist. Eine Lehrerin hat den Vorschlag gemacht, die Phasen des Arbeitsprozesses (1. Genau schauen, was zu tun ist; 2. Material prüfen und bereitlegen; 3. Aufgabe in Teilaufgaben zerlegen ...usw.) auf einer Ziehharmonika aus Papier aufzuzeichnen und mit einer Klammer zu markieren, wie weit das Kind schon fortgeschritten ist. Damit lernt das Kind nach und nach auch, sich selbst zu organisieren.

Die individualisierte Lernsituation erleichtert es dem Kind, seine Pausen und Auszeiten dann zu nehmen, wenn es sie braucht und diese auch nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Das ist wichtig, um weitermachen und dranbleiben zu können.

Den Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen fällt es auch leichter, sich auf eine Sache zu konzentrieren, wenn sie wissen, was auf sie zukommt. Offene Situationen sind für sie recht schwer auszuhalten. Aber auch das ist nicht an den Frontalunterricht gebunden. Auch in prinzipiell offenen Situationen kann ein Lehrer beispielsweise die Optionen für ein Kind mit Aufmerksamkeitsstörungen eingrenzen oder es bei der Wahl der Optionen unterstützen (Womit fange ich an? Wie gehe ich vor?). Durch geeignete Verfahren kann das Kind immer mehr auch selbst die Verantwortung für seinen Lernprozess übernehmen. Das wird länger dauern als bei anderen – die das vielleicht sogar schon können – aber im Frontalunterricht wird dies bestimmt nicht gefördert.

Von daher ist Frontalunterricht auch im Fall von Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen stark zu begrenzen und auf kurze Zeitabschnitte zu beschränken.

Wie können Lehrer und Lehrerinnen die Strukturierung der Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen unterstützen?

Prof. Dr. Margarete Imhof, Uni Mainz:

Aufgaben nicht auf einmal als Ganzes, sondern in Teilaufgaben vorlegen, z. B. durch getrennte Arbeitsblätter, durch Abknicken von Arbeitsblättern.

  • Arbeitsschritte konkret ansagen und Unterricht vorhersagbar ist.
  • Anweisungen geben, die einen Arbeitsschritt enthalten und nicht eine Serie von Arbeitsschritten. (hole Dein Buch aus dem Ranzen. Nicht: Hole mal Deine Sachen aus dem Ranzen und stecke weg, was Du nicht brauchst).
  • so unterrichten, dass die Kinder wissen, was auf sie zukommt und wo sie hinsollen, z.B. in dem das Ziel an die Tafel geschrieben wird
  • eine klare zeitliche Gliederung eingehalten wird, indem die Lehrerin sagt, wie lange sie an einer Sache bleiben sollen und dazu eine Uhr aufstellt. Dann geht das Arbeiten besser, als wenn die Kinder lediglich die Ansage erhalten, so lange zu arbeiten, bis sie fertig sind.
  • Strukturierungshilfen in Form von externen Signalen geben (z.B. rote und grüne Karte)
  • Strukturierungshilfen in Form von Checklisten anfertigen und bereitlegen, so dass die Kinder die erforderlichen Arbeitsschritte vor sich sehen bzw. die abgehandelten Arbeitsschritte als erledigt erkennen.

Es wurden verschiedene Trainingsprogramme vorgestellt, u. a.: 

„Lehrertraining“, Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln

„ATTENTIONER“, Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen

„Marburger Konzentrationstraining“ MKT, Dipl. Psych. Dieter Krowatschek, Marburg

Wer bezahlt das Training? (Krankenkasse, Eltern?)

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Wenn sich das Kind in Behandlung befindet, ist eine Intervention in der Schule laut Leitlinien an dritter Stelle vorgesehen. Wenn die Behandlung also bereits durch die Krankenkasse entgolten wird, wäre darzulegen, dass man gemäß Leitlinien in der Schule interveniert.

Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen:

Das „ATTENTIONER“ Trainingsprogramm ist ein wichtiger Baustein in der Psychotherapeutischen Behandlung von ADHS oder ADS betroffenen Kindern. Es wird im Rahmen der Kinder- und Jugendlichen Psychotherapie eingesetzt und dann auch von der Krankenkasse übernommen. Allerdings wird es mittlerweile auch häufig in der Ergotherapie eingesetzt auch hier übernimmt die Krankenkasse die Kosten bei vorliegender Verordnung (meist durch den Kinderarzt oder Kinderpsychiater).

Dipl. Psych. Dieter Krowatschek, Marburg:*

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Finanzierung, soweit wie mir das bekannt ist: Präventiv – von der Krankenkasse bezuschusst (Zuschuss in der Regel 80 Euro pro Kind); durch den Kinderarzt verschrieben – wird abgerechnet wie Ergotherapie; durch die Eltern finanziert (Zusatzangebot vieler ergotherapeutischer Praxen für ihre Klientel und andere). Kosten je nach Ort zwischen 100 und 250 Euro pro Kind. Gruppentraining; häufig wird das Training im Rahmen der Volkshochschulen und Familienbildungsstätten angeboten. Hier zahlen die Eltern eine Kursgebühr und die TrainerInnen erhalten die Referentensätze der jeweiligen Einrichtung; Angebot der Schulen im Rahmen des Nachmittagsunterrichtes, finanziert durch die Eltern, Fördervereine oder die Schulen selbst.

Am häufigsten wird das MKT als Kurs frei auf dem Markt durch einzelne Praxen angeboten.

Welcher zeitliche Rahmen wird für das Training angesetzt (wie oft, wie lange)?

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Es sind 7 Sitzungen zu jeweils 2 Stunden in der Gruppe. Wenn man hingegen mit einem einzelnen Lehrer zusammenarbeitet reduziert sich die Zeit auf etwa 70 Minuten.

Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen:

Das Training umfasst 15 Stunden (1 Stunde pro Woche) sowie zusätzlich ein flankierendes Elterngruppentraining im Umfang von 5 Doppelstunden (eine Doppelstunde pro Woche ab der fünften Kindersitzung).

Dipl. Psych. Dieter Krowatschek, Marburg:*

Ein Kurs umfasst 6 Trainingseinheiten a 90 Minuten und in der Praxis zwei Elternabende. Die Mehrzahl der Kinder wiederholt das Training.

Wenn ich in meiner Schulklasse ein Kind habe, welches ein Training braucht, was muss ich als Lehrer tun, um es dorthinein zu bekommen?

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Beim Lehrertraining ist es nicht so sehr Sache des Kindes, die Schulung zu unternehmen. Viel eher hängt es von der Bereitschaft des unterrichtenden Lehrers ab, ob und inwieweit er / sie sich im Umgang mit den Verhaltensschwierigkeiten des Kindes in der Schule beraten lassen will.

Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen:

Verordnungen für Ergotherapeutische Behandlungen werden in der Regel vom Kinderarzt oder Kinderpsychiater ausgestellt. Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten können auch direkt kontaktiert werden. Den Eltern sollten diese beiden Möglichkeiten vermittelt werden.

Dipl. Psych. Dieter Krowatschek, Marburg:*

Das Training ist so angelegt, dass es von Lehrkräften im Rahmen des Unterrichts und auch im Nachmittagsangebot des Ganztagesunterrichtes problemlos umgesetzt werden kann. Von der Grundintention her ging es mir darum, dass vor allem Lehrkräfte Materialien und Methoden zur Verfügung gestellt bekommen, die sie im Rahmen des Unterrichts einsetzen können. Eigentlich ist es gar nicht gedacht, dass Lehrkräfte die Kinder für Trainings anmelden. Dies halte ich nur dann für sinnvoll, wenn ein entsprechendes Training direkt an der Schule stattfindet.

Die eigentlichen Anmeldenden sind die Eltern.

Wie sieht in Ihrem Programm die Elternarbeit aus?

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Sie umfasst eine Anleitung der Eltern für die Hausaufgaben sowie die Einrichtung eines Rückmeldesystems, damit sich Schule und Eltern leicht und unaufwändig über gelingendes Verhalten des ADHS-Kindes verständigen können.

Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen:

Das Elterntraining des ATTENTIONER´S umfasst 5 Doppeltstunden. Es wird flankierend zum Kinderprogramm durchgeführt. Ziel ist im Wesentlichen eine verbesserte Reflexion des eigenen aber auch des kindlichen Verhaltens. Neben einer elterngerechten Aufklärung über das Störungsbild ADHS lernen die Eltern ihr eignes Verhalten und das Verhalten ihres Kindes genauer zu analysieren um gemeinsam mit dem Therapeuten an konkreten Situationen (etwa Aufstehen, Hausaufgaben, zu Bett gehen, Aufforderungssituationen etc.) neue Verhaltensweisen zu entwickeln und zu erproben (Rollenspiel).

Dipl. Psych. Dieter Krowatschek, Marburg:*

Wir selbst in Marburg machen fünf Elternabende a 60 Minuten. Beim Verhaltenstraining machen wir zusätzlich zwei Elternseminare, die ganztägig samstags stattfinden. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die meisten ergotherapeutischen Praxen zwei Elternabende machen. Im Rahmen des Trainings schlagen wir thematisch fünf Elternabende vor und bieten auch entsprechende Materialien an, so dass – wenn ein Kind zwei Kurse belegt – auch auf den Elternabenden unterschiedliche Themenbereiche angesprochen werden.

Wo wird das Ergebnis/Erfolg Ihres Trainings überprüft, in der Schule oder in der Praxis? – Wie ist es mit der Übertragung auf den Schullalltag?

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Der Erfolg hat sich im Wesentlichen in der Schule einzustellen. Also muss der Fortschritt auch dort überprüft werden. Wir verwenden den Fragebogen "belastende Situationen in der Schule" dafür.

Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen:

Die Evaluationen erfolgte sowohl über Fragebögen (also Beurteilungen im Alltag) als auch objektiv durch testpsychologische Untersuchungen.

(Siehe hierzu auch: Jacobs, C. Petermann, F. (2008). Aufmerksamkeitstherapie bei Kindern. Langzeiteffekte des ATTENTIONERS. Zeitschrift für Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 36, 6, 411-417.

Jacobs, C. Petermann, F. (2007). Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern. Langzeiteffekte des neuropsychologischen Gruppenprogrammes ATTENTIONER. Kindheit und Entwicklung, 16 (1), 40 – 49. Hogrefe: Göttingen

Jacobs, C. & Petermann, F. (2005). Aufmerksamkeitsstörungen im Kindesalter: Konzept und Wirksamkeit des ATTENTIONER-Programms. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 26, Heft 3, 317-341.)

Dipl. Psych. Dieter Krowatschek, Marburg:*

Das Training ist sehr schulorientiert. Alle, die mit der Entwicklung zu tun haben und hatten, kommen aus dem Unterricht. Von daher sind viele schulische Fragestellungen mit eingeschlossen. Evaluiert haben wir auch bei der Entwicklung an Schulnoten, weil die Kinder immer auch den Wunsch hatten, in der Schule besser zu Recht zu kommen. Wir selbst befragen nach dem Training sowohl die Eltern als auch die Schule. Die Mütter berichten in der Regel, dass es nach dem Training bei den Hausaufgaben besser klappt und die Schulen geben als Rückmeldung, dass sich das instabile Leistungsverhalten verbessert hat. Wir selbst machen zu den Evaluationen keine Untersuchen mehr, weil genügend vorliegen. Intern aber überprüfen wir immer wieder und führen auch ständig selbst Kurse durch. Wir tun dies natürlich nicht nur um zu evaluieren – sondern vor allem um neue Materialien auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen. Wir selbst haben das Training inzwischen mit unseren Trainerinnen und Trainern über die Jahre hinweg an 18600 Kindern in ganz Deutschland durchgeführt.

Es gibt viele verschiedene Trainings. Wann ist welches sinnvoll? Wie trifft man eine gute Wahl? 

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Bei den Konzentrationstrainings gibt es verschiedene Varianten. Sie unterscheiden sich in den verwendeten Materialien und darin, ob sie einzeln oder in der Gruppe durchgeführt werden. Oft auch in der wissenschaftlichen Absicherung. Man sollte Programme wählen, die sich bewährt haben und zu den Erfolgsüberprüfungen vorlegen.

An Programmen zur Lehrerschulung gibt es meines Wissens nur kaum weitere Trainingsprogramme. Die meisten begnügen sich mit Tipps und Ratschlägen.

Dr. Claus Jacobs, Uni Bremen:

Selbstinstruktionstrainings sind sinnvoll bei Defiziten in der Handlungsplanung oder bei der Strukturierung von Aufgabenstellungen.

Der ATTENTIONER ist sinnvoll wenn das Kind Defizite bei der Aufmerksamkeitsfokussierung (leicht ablenkbar) oder bei parallelen Reizverarbeitung (zwei Dinge gleichzeitig beachten oder Durchführen) hat.

Bei Aufmerksamkeitskraftdefiziten kann das ALERT Programm eingesetzt werden.

Sollten zusätzliche oppositionelle Verhaltensweisen auftreten hat sich das THOP bewährt.

Dipl. Psych. Dieter Krowatschek, Marburg:*

Das Marburger Konzentrationstraining eignet sich sehr gut im präventiven Bereich. Es ist leicht umsetzbar, nicht zu lang und macht Kindern auf jeden Fall Spaß. Es kann bei dem gleichen Kind immer wieder angewendet werden. Es ist ein Gruppentraining und eignet sich nicht nur für ADS und ADHS-Kinder sondern auch für Kinder, die andere Problematiken zeigen (zu ruhig, zu unsicher, zu langsam etc.)

Wendet sich das Lehrertraining an Lehrer eines ADHS-Kindes, das bei Ihnen in Behandlung ist, oder kann sich jeder andere Lehrer mit einem Fallbeispiel für das Training anmelden?

Prof. Dr. Gerhard Lauth, Uni Köln:

Prinzipiell ist das Lehrertraining unabhängig von einer Behandlung bei uns (oder bei einem anderen Therapeuten). Jeder Lehrer kann sich also dafür "anmelden".


Fußnote, Dipl. Psych. Dieter Krowatschek

*) Zum Verständnis: Es gibt zwei Trainings.

Einmal das Marburger Konzentrationstraining (MKT) – 6 Trainingseinheiten a 90 Minuten und zwei Elternabende.

Daneben gibt es das Marburger Verhaltenstraining (MVT), zu dem noch nicht so viele Fortbildungen stattfinden. In letzter Zeit nehmen die Nachfragen zu – vor allem unter den Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten. Wir bieten inzwischen zum Marburger Verhaltenstraining im Jahr circa vier bis sechs Fortbildungen an. Das Verhaltenstraining ist eine Intervention von 20 Mal 90 Minuten über den Winter mit jeweils einem einwöchigen Trainingsaufenthalt in den Herbstferien und einem einwöchigen Trainingsaufenthalt in den Osterferien. Beide Ferientrainings finden auf Sylt statt. So führen wir dies in Marburg durch.

Bei der Beantwortung Ihrer Fragen beziehe ich mich vorrangig auf das Marburger Konzentrationstraining.

 

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