Sucht

ADHS und Sucht

von Dr. Astrid Neuy-Bartmann

Sucht ist bei AD(H)S ein bisher völlig unterschätztes Thema.

Sucht zeigt sich durch

  • starkes Verlangen, wie ein Zwang das Suchtmittel unbedingt zu brauchen
  • Kontrollverlust, mit dem Konsum nicht mehr aufhören zu können
  • Entzug, d. h. ohne das Suchtmittel bin ich getrieben, nervös und unzufrieden
  • Toleranz, das bedeutet, dass ich immer mehr davon brauche um die gleiche Wirkung zu erzielen.
  • Einengung auf Konsum, d. h. dass man nur noch auf den Konsum fixiert ist und der Rest der Außenwelt egal wird.
  • Schädliche Folgen bedeutet, dass die Droge immer mehr Normalität weg nimmt und Wertvolles zerstört: Partner weg, Job weg, Führerschein weg- und die Abwärtsspirale ihren unerbittlichen Verlauf nimmt.

AD(H)S-ler sind extrem und sie sind auf der ständigen Suche nach mehr. Das prädisponiert sie zur Sucht. Sie suchen das permanente Glück, das vollkommene Leben und sie sind ständig auf der Flucht vor Langeweile und innerer Leere. So haben sie nicht gelernt, die Widrigkeiten des Lebens auszuhalten und sie haben unrealistische Erwartungen an das Leben. Auch sind sie Getriebene und Suchende und wissen doch oft so gar nicht, was sie suchen. Eigentlich ist es Harmonie, Erfüllung, Zufriedenheit, aber ihr unstetes Wesen treibt sie immer wieder an, wie der Jäger der nach einer erfolgreichen Jagd nur kurzfristig zufrieden sein kann, weil er weiß, dass er wieder Hunger bekommen wird und er erneut die Jagd aufnehmen muss. Es ist wie ein permanentes Jagdfieber, einerseits Reiz und Spannung, aber auch Elend zugleich weil die Normalität und der Alltag oft so schlecht gelebt und ausgehalten werden kann. Und was für einen AD(H)S-er am schlimmsten ist, ist Langeweile und Alltag, weil er sich hier nicht gefordert und stimuliert fühlt. Er braucht immer einen starken Reiz oder Spannung, um sich wach und aufmerksam zu fühlen, sonst wird er eben leicht dösig, gelangweilt und kann für nichts mehr Begeisterung und Konzentration aufbringen.

Hinzu kommt häufig ihre kindliche Unreife. Sie wollen jetzt sofort und immer alles und können nur so schwer Bedürfnisse aufschieben. Und wenn sie nicht bekommen was sie wollen, dann sind sie schnell so frustriert, dass sie meinen, dass die Welt untergeht. Das immer mehr, die ständige Suche nach dem ultimativen Kick lässt sie auch zu Abenteurern und Extremsportlern werden, weil sie für sich selbst immer wieder neue Rekorde aufstellen müssen, nur dann sind sie zufrieden.

Schon als Kind zeigen sich die Risiken und das Suchtpotential. Das AD(H)S-Kind ist unruhig, angespannt, innerlich getrieben, stimmungslabil und oft extrem unzufrieden. Darüber hinaus hat es eine Ansammlung von Niederlagen, Frustration sowie Ablehnung zu verkraften und es wähnt sich sowieso schon als Außenseiter dieser Welt. Sie haben viele unerfüllte Träume, nicht gelebte Sehnsucht vor allem nach Angenommen sein und Zugehörigkeit, viel Trauer und Enttäuschung in sich. Sie sind voll von erlittenen Kränkungen und Versagensängsten und nicht selten war die Kindheit ein Dauerstress besonders, wenn das Umfeld auch noch gestört war.

Sucht kann so auch das Ergebnis eines enttäuschten und trotzigen Kampfes sein, ein Ausdruck des Protest und die Demonstration des Andersseins. Das AD(H)S-Kind kann in seiner Drogenabhängigkeit seinen Trotz und seine Auflehnung zum Ausdruck bringen, weil es genau das tut, was man nicht von ihm erwartet und es jetzt bewusst auch als Provokation in eine Außenseiterrolle geht. Es kann seine unerfüllten Träume nach Zugehörigkeit in einer Drogenpeergroup ausleben und so rotten sich häufig die Außenseiter der Gesellschaft, die Ausgestoßenen und Versager zu einer Gruppe zusammen und beziehen gemeinsam ihren Halt durch den Zusammenhalt in dieser Gruppe. Diese Peergruppe hat dann einen enormen Einfluss, weil das AD(H)S-Kind hier möglicherweise zum ersten Mal Angenommen sein und bedingungslose Bestätigung erfährt und es ist ihm dann ziemlich egal, welche Ziele diese Gruppe hat.

So kann es sein, dass das Kind in falsche Kreise abrutscht und sich seinen Halt in einer Gruppe sucht, die zunehmend drogenabhängig, kriminell oder rechtsradikal wird. Vereint im Trotz und in rebellischer Auflehnung kann eine Gruppe ein sehr starkes Zugehörigkeitsgefühl vermitteln, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Die trotzige Auflehnung gegen die Eltern und die spießige Gesellschaft sind Motor sich im negativen Bestätigung zu holen und Stärke aus dem Trotz zu beziehen. „ihr könnte mir sagen, was ihr wollt, ich mache es trotzdem“. Die jahrelang erlittenen Kränkungen können in dieser Phase als trotziger Triumph erlebt werden, sich trotz aller Warnungen über Gebote und rationale Bedenken hinwegzusetzen und endlich Eigenständigkeit zu leben. Das ist dann zwar nur eine Pseudoautonomie, aber immerhin eine. Es wird erlebt wie eine Herausforderung, wie ein gerechter Kampf, den es zu kämpfen gilt, ein Kampf: „Ich gegen den Rest der Welt“. Und tatsächlich erlebt dann der Drogenabhängige eine Art Stärke und Macht, denn es ist für seine Eltern und Mitmenschen kaum möglich ihn davon wegzubringen. So ist es auch Versuch das geringe Selbstwertgefühl zu kompensieren. Nicht wenige leben dann nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert“.

Hinzu kommt auch wieder diese Suche nach dem Kick und dem Entkommen der Langeweile. Es ist ja spannend sich illegal Drogen zu beschaffen und so mancher Drogenabhängige erlebt es als große Herausforderung sich nicht erwischen zu lassen und er kämpft ein einsames Heldentum sich nicht in die Schranken weisen zu lassen - von niemanden.

Andererseits können AD(H)S-Jugendliche einfach mal Drogen ausprobieren, weil sie neugierig und verführbar sind und sie sich keine Gedanken über die Konsequenzen machen. Sie sind leichtsinnig und schnell zu begeistern und „erst gemacht, dann gedacht“ schießen sie erst einmal alle Warnungen und Bedenken über Drogenkonsum in den Wind. Nicht das sie es nicht wüssten, aber in dem Moment ist es einfacher spannender etwas Cooles auszuprobieren und es ist schon manchmal erschütternd mit welcher Einfältigkeit und Naivität Drogen ausprobiert werden.

Natürlich verheißen auch die Drogen das schnelle Glück, ohne dass man dazu allzu viel tun muss, zumindest kurzfristig. Während man sich ansonsten Glück und Erfolg immer auch erarbeiten muss, so kann man sich mit Drogen schnell in einen Zustand versetzen, der angenehm und entspannend ist und der schnell und relativ einfach Glücksgefühle produziert. Man kann sich damit die Welt so schön rosarot zunebeln, so dass man all den Frust und die Enttäuschungen im Leben nicht mehr zur Kenntnis nehmen muss. Es ist zunächst für AD(H)S-ler ein verlockender Weg: „Spaß haben ohne allzu viel dafür tun zu müssen“. Sie sind so anfällig dafür, weil sie einerseits eine hohe Ansprüchlichkeit ans Leben haben andererseits aber auch nicht allzu bereit sind, dazu viel zu tun.

Die Wirkung der Drogen entspricht aber häufig auch einem Bedürfnis nach Selbstbehandlung, denn der AD(H)S-ler leidet oft erheblich unter ständigen Stimmungsschwankungen und Getriebenheit. Tatsächlich helfen bei vielen dieser AD(H)S-Symptomen Drogen und lindern diese Beschwerden, aber leider ist dieser Selbstbehandlungsversuch meist ineffektiv und zum Scheitern verurteilt, weil die Auswirkungen der Drogen schwerwiegender als die AD(H)S-Symptome sind. AD(H)S-Symptome mit Drogen zu behandeln stellt keine gute Problemlösestrategie dar und kann als gescheiterter Behandlungsversuch gewertet werden.

Die Einstiegsdrogen sind Nikotin und Alkohol, weil diese leicht zu beschaffen und gesellschaftlich akzeptiert sind. Es ist erwiesen, dass Nikotin eine ähnliche Wirkung im Gehirn entfaltet wie Dopamin oder aber das Mittel Methylphenidat. Niemand hat das treffender erkannt, als der Erfinder der HB-Männchen : „Warum denn gleich in die Luft gehen, greife lieber zu ...“. Alkohol macht auch ruhiger und zumindest in Maßen gelassener. Das gleiche gilt für Cannabis.

Da der AD(H)S-ler auch alles extrem macht und kein Maß findet, kann er eben nicht nur ein paar Zigaretten rauchen oder ein Glas Bier trinken, sondern er tut es wieder einmal extrem. Über 50% aller AD(H)S-ler haben ein Suchtproblem und in Suchtkliniken sind 30-50% der Klienten meist unerkannte AD(H)S-Patienten. Insgesamt haben AD(H)S-ler ein mindestens doppelt so hohes Suchtrisiko wie die Normalbevölkerung. Wir wissen allerdings, dass die frühe Behandlung des ADHS schon im Kindesalter das Suchtrisiko deutlich vermindert, weil Kinder eine bessere Schulbildung durchlaufen und insgesamt eine bessere Entwicklung nehmen. Gerade die Behandlung mit Stimulantien, die unter dem Betäubungsgesetz stehen, zeigt im Langzeitverlauf eine deutliche Suchtreduktion und somit stellt eine frühzeitige Behandlung eine Suchtprophylaxe dar. Im Augenblick wird gerade darüber geforscht, ob man AD(H)S-Patienten, die abhängig geworden sind nicht auch mit Stimulantien bzw. Atomoxetin behandeln muss um die Erfolgsquoten der Suchtbehandlung zu erhöhen, denn diese sind bisher noch nicht berauschend.

AD(H)S –Betroffen können aber auch alles zur Sucht machen. Sie schaffen es von den normalsten Dingen abhängig zu werden, weil sie kein Maß finden.
und so unterscheiden wir zwischen substanzgebundenen Süchten und nicht substanzgebundenen Süchten

Substanzgebundene Süchte

Koffein

Die meisten AD(H)S-ler betreiben einen Koffein oder Coca-Cola-Missbrauch, wobei sich das Gefährdungspotential hierbei in Grenzen hält. Zuviel Koffein kann Magenbeschwerden verursachen und zu viel Cola Übergewicht.

Alkohol

Das Gefährdungspotential und die Risiken von Alkohol sind allgemein bekannt und brauchen hier nicht wiederholt zu werden. Man muss aber noch einmal darauf hinweisen, dass Alkohol und Zigaretten die Einstiegsdrogen auch von härteren Drogen sind. Das aktuelle Konsumverhalten der Jugendlichen bezüglich Alkohol ist außerordentlich bedenklich. Kampftrinken und Alkohol-Flatrate-Partie sind bei Jugendlichen „in“ und das Ausmaß der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen ist erschreckend.

Nikotin

Auch die Auswirkungen von Nikotin sind bekannt. Viele AD(H)S-ler sind exzessive Raucher und sie betreiben eine sehr eindrucksvolle Selbsttherapie, allerdings mit dem Preis des gesundheitlichen Ruins. Die Suchtpotenz von Nikotin wird allgemeinen völlig unterschätzt. Es ist schwieriger mit Nikotin aufzuhören statt mit Heroin und nur so lässt sich erklären, warum Menschen während ihres Lebens die Geldmenge eines Einfamilienhauses verrauchen können um als alter Mensch beinamputiert mit Lungenkrebs im Rollstuhl ihr Dasein zu fristen und dass obwohl sie diese Fakten seit Jahrzehnten fast täglich nachlesen können.

Nikotin imitiert im besonderen Maß die Dopaminwirkung und reguliert den AD(H)S-ler. Es macht ruhiger, gelassener, konzentrierter, stimmungsstabiler und genussfreudiger. Nikotin steigert die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und wirkt appetitmindernd. Selbst Menschen, die nach 40 Jahren mit Zigarettenrauchen aufgehört haben, weil sie schwer krank geworden sind, machen nach so einer langen Zeit wieder Bekanntschaft mit ihrem ursprünglichen ADHS. Denn nach über einem halben Jahr der Abstinenz sind Impulsivität und ausgeprägte Stimmungsschwankungen nicht mehr die Auswirkungen des Entzuges, sondern die Zeichen eines ADHS, das seit der Kindheit bestanden hat, nun aber nicht mehr mit Nikotin in Schach gehalten wird. Vielleicht raucht auch trotz vieler Abstinenzversuche ein Großteil der AD(H)S-ler weiter, weil sie mit den Auswirkungen ihres AD(H)S nicht ohne Medikation oder Selbstmedikation zurecht kommen.

Cannabis, THC

ist eine häufig konsumierte Droge, weil sie entspannend und ausgleichend wirkt und sich ein belle-egal-Gefühl einstellt. Es „juckt“ einen damit einfach gar nichts mehr und man hat endlich die Gelassenheit und Geduld, die man so lange bei sich selbst vermisst hatte. Das Problem aber dabei ist, dass noch egaler gerade die Problematik des AD(H)S-lers verstärkt, der sowieso schon Probleme mit seiner Selbstmotivation und seinem Durchhaltevermögen hat. Er fängt auch an diese Drogen genau zu der Zeit zu konsumieren in der es darauf ankäme sich anzustrengen und einen guten Schulabschluss anzustreben. Zu viel egal ist dann „scheißegal“ und der AD(H)S-Jugendliche bringt dann überhaupt keine Motivation mehr auf um seinem Leben eine Richtung zu geben. Es zeigt sich dann zunehmend ein amotivales Syndrom mit einer Null-Bock-Haltung - ... keine Lust zu gar nichts.

Und so werden wertvolle Jahre der Persönlichkeitsentwicklung verpasst, in dem man sich das Hirn vernebelt statt zu reifen und an den Schwierigkeiten des Lebens zu wachsen. Was oft den jugendlichen Konsumenten nicht weiß ist, dass Cannabis auch massive Angstzustände und auch Psychosen auslösen können, die schwer zu behandeln sind. Bei Psychosen spielt sicherlich eine erbliche Disposition eine Rolle, aber wer weiß das schon welche genetischen Veranlagungen in ihm schlummern. Und es ist die Psychose durch Cannabis angestoßen, dann ist es u. U. so wie der Geist aus der Flasche, den man nur schwerlich wieder zurück in die Flasche verbannen kann und so kann die Psychose einen fatalen Verlauf nehmen, chronisch werden oder eine lang dauernde medikamentöse Behandlung notwendig sein.

Medikamente

grundsätzlich gibt es eine Reihe von Medikamenten die süchtig machen. An vorderer Stelle stehen die Tranquilizer (Valium, Tavor, Lexotanil usw.), die nicht selten bei AD(H)S gegen die Unruhe und die Stimmungsschwankungen eingesetzt werden, aber im Langzeitgebrauch nicht verordnet werden sollten, weil sie ein hohes Suchtpotential haben. Außer in der Behandlung von Notfallsituationen bei psychischen Ausnahmezuständen sollten diese Medikamente überhaupt nicht mehr verordnet werden. Weiterhin haben die Schmerzmittel eine Suchtpotenz und AD(H)S-ler neigen dazu sie zu missbrauchen, weil sie Schmerzen oft nur schwer aushalten und auch sehr schmerzempfindlich sein können.

Kokain

wirkt ebenfalls ähnlich am Dopaminrezeptor wie Dopamin. Kokain macht starke Abhängigkeiten und Persönlichkeitsveränderungen, außerdem sind die Entzüge sehr schwer.

Heroin

Die Wirkungen sind bei Heroin bekannt. Besonders durch die i. v. Injektionen und gemeinsamen Spritzengebrauch besteht die Gefahr von Übertragungen von AIDS, Hepatitis und zahlreichen anderen Erkrankungen.

Ecstasy oder Speed

Die Wirkung ist ähnlich dem Methylpenidat, bzw. den Stimulantien, nur ist es nicht klar in welcher Dosierung und welchem Reinheitsgrad diese Substanz vorliegt es vorliegt. In Überdosis kann es zu schweren gesundheitlichen Schäden bis hin zum Tode führen. Da man die chemische Zusammensetzung der vorliegenden Droge ebenso wenig wie die Beimischungen bekannt sind, bergen diese synthetisch hergestellten Drogen unabschätzbare Risiken, vor allem wenn sie noch mit anderen Drogen konsumiert werden.

LSD

ist auch eine synthetische Droge, die stark halluzinogen wirkt und ein hohes Risiko für das Auslösen von massiven Angstzuständen und Psychosen birgt. Es kann auch noch Monate später zu sogenannten Flashbacks kommen, d.h. dass auch ohne Drogenkonsum aus heiterem Himmel psychoseartige Episoden wie unter Drogen vorkommen können.

Süßigkeiten

Zucker kann die Serotoninproduktion im Gehirn anregen und eine kurze Zeit ein bisschen glücklicher machen. Viele Menschen haben die Erfahrung, dass Schokolade glücklich machen kann. Bei manchen Menschen entsteht aber eine regelrechte Gier nach Süßigkeiten, die eindeutig Suchtcharakter hat.

Essstörungen

Aber nicht nur der Hunger nach Süßigkeiten prädisponiert zur Sucht. Wir finden bei AD(H)S-lern gehäuft Essstörungen. Im Sinne einer Magersucht(Anorexia nervosa), einer Bulimie oder einer Esssucht. Hier fungiert das Essen an sich als Suchtmittel, wobei nach dem ganz oder gar nicht Prinzip entweder überhaupt keine Nahrung aufgenommen wird (Magersucht) oder aber exzessive Mengen (Bulimie oder Esssucht).

Unter nicht substanzgebunden Süchten versteht man:

Arbeitssucht

Auch hier kann die Arbeit nicht vernünftig dosiert werden. Der Workaholic, so nennt man die Arbeitssüchtigen, findet keine Ende, kann nicht mehr entspannend, arbeitet zeitweise ununterbrochen und fühlt sich wie in einem Rausch. Sein Triumph ist der Erfolg und die soziale Anerkennung und er kann davon nicht genug bekommen. Die Folgen sind seine gesundheitliche Vernachlässigung, und alle Folgen eines Burnout-Syndrom, woraus sich Depressionen, körperliche Beschwerden und Angstzustände entwickeln können. Er betreibt quasi Raubbau an seinem Körper. Wenn der Energietank leer gefahren wird und der Workaholic keine Zeit findet aufzutanken, zu entspannen und Spaß zu finden, dann steht irgendwann der Motor, weil kein Sprit bzw. keine Energie mehr vorhanden ist. Auch vernachlässigt er soziale Beziehungen und seine Familie.

Sport

Da der AD(H)S-ler alles zur Sucht machen kann, so gelingt es ihm auch Sport exzessiv zu betreiben und damit auch über die eigene Grenzen hinaus zu gehen und den Körper rücksichtslos auszubeuten. Er kann eventuell Sport so hyperfocussieren, dass alles andere vernachlässigt wird und er völlig auf seine sportlichen Leistungen eingeengt ist und er immer wieder erneut versucht durch vermehrte Anstrengung u. U. sogar mit Hilfe von Dopingmitteln zu toppen.

Aktivität

AD(H)S-er können so schwer still sitzen und einfach mal positiv nichts tun. Das Wort Muse ist für sie ein Fremdwort und so sind sie getrieben immer wieder auf der Suche nach etwas, was sie stimuliert. Das Thema Entspannung, Loslassen, Seele baumeln lassen, kommt dabei viel zu kurz und so fehlen wertvolle Möglichkeiten sich selbst zu regenerieren und die eigene Mitte zu finden.

Spiele, zocken

AD(H)S-ler haben einen ausgeprägten Spieltrieb und sie werden besonders von Gewinnen angespornt. Das macht sie zusätzlich anfällig für eine Spielsucht, weil sie damit ihre spielerischen Neigungen nachgehen können und andererseits einen ständigen Kick haben und die notwendige Spannung finden um ständig stimuliert zu bleiben. In ihrem Leichtsinn und auch  Broker oder Börsenzocker, die das halbe Leben am Internet für vermeintliche Gewinne oder Verlustbegrenzungen verbringen.

Computer, Video, Fernsehen

Der Gebrauch dieser Medien stellt für den AD(H)S-ler eine große Herausforderung dar, weil viele nicht mehr die Austaste finden und vor dem Fernseher und Computer versumpfen. Das typische Fernsehverhalten des AD(H)S-ler zeigt sich am Gebrauch der Fernbedienung.

Es ist ihnen fast unmöglich nur eine Sendung zu schauen, sondern getrieben von der Angst, etwas zu versäumen oder dem nicht warten können bis der Werbespot vorbei ist, zappen sie sich durch die Programme, so dass sie oft 3 Filme gleichzeitig sehen. Sie sind dann zwar der Meinung den Inhalt erfasst zu haben, aber tatsächlich können sie sich mit ihrem hüpfenden und sprunghaften Wahrnehmungsstil nur sehr oberflächlich die Geschichten zusammenreimen.

Internet, eBay

AD(H)S-ler können sich im Internet im Dschungel der angebotenen Möglichkeiten verirren und so passiert es ihnen häufig, dass sie mit einer bestimmten Fragestellung sich ins Internet einloggen und dann stundenlang durch die Welt surfen, wobei sie längst ihr eigentliches Ziel aus den Augen verloren haben. Auch eBay kann eine Falle sein, weil man viel Zeit damit verschwenden kann auf der dauernden Suche nach Schnäppchen. eBay kann so eine Mischung zwischen der ständigen Suche nach einem Sonderangebot und Spielsucht werden. In letzter Zeit verlieren sich viele im Endloschat in Facebook oder sie leben in virtuellen Welten wie in World of Warcraft usw.

Musik

Auch Musik kann eine Sucht werden, weil man auch dies übertreiben kann. Viele AD(H)S-ler kennen das, denn wenn ihnen eine Musik gefällt, dann hören sie sie 100 mal hintereinander und dann vielleicht nie mehr.

Lesen, Fantasy

Auch hier kann der AD(H)S-ler in eine andere Welt abtauchen, ja sogar in einer anderen Welt über Tage leben, ohne viel um sich herum wahrzunehmen. Sie können dann auch alles andere vernachlässigen.

Kaufsucht, Kleptomanie, Sonderangebote

Auch Kaufen kann zur Sucht werden, das Haben und Besitzen wollen, die ständige Gier nach mehr. Hat man zu wenig Geld kann sich auch eine Stehlsucht (Kleptomanie) entwickeln. Eine solche Kleptomanie kann aber auch bei durchaus wohlhabenden Leuten entstehen, die durch das Stehlen sich den Kick und die Spannung suchen, das Knistern ob sie diesmal erwischt werden.

Messie (Vermüllungssyndrom)

Und dann gibt es noch die Sucht des Aufhebens, des Nichtwegwerfenkönnens, die erschreckende Ausmaße annehmen können. Es kann bedrohliche gesundheitsschädliche Ausmaße annehmen, wenn ein betroffener nicht einmal mehr in der Lage ist verschimmelte Lebensmittel und Müll zu entsorgen.

 

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