Ernährung

Der Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomatik und Ernährung ist nicht abschließend geklärt. Diätetische Maßnahmen sind nicht kostspielig aber aufwändig. Bei sachgerechter Durchführung sind sie laut Bundesärztekammer bei 1 - 2% und laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bei 5 - 10% der Kinder mit ADHS-Symptomatik hilfreich.

Food as a trigger for ADHD symptoms: time for a paradigm shift?
Lidy MJ Pelsser PhD Scientific Researcher, ADHD Research Centre, Eindhoven,NL

Nahrungsmittelinduzierte ADHS-Symptomatik (1)

von Renate Meyer

Die Wirksamkeit von Diäten bei ADHS-Symptomatik hat sich in den meisten Studien nicht nachweisen lassen, ausgenommen hiervon ist die oligoantigene Diät. Die oligoantigene Diät ist noch keine regelhafte Behandlung bei ADHS, wird aber empfohlen, wenn die Betroffenen zusätzlich über körperliche Symptome klagen, die auf Allergien und/oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten hinweisen.

Mit den Anfang der 90iger Jahre durchgeführten Studien zur „Wirksamkeit einer oligoantigenen Diät bei Kindern mit expansiven Verhaltensstörungen“ konnte nachgewiesen werden, dass bei entsprechender Veranlagung neben Farb- und Konservierungsstoffen auch unterschiedliche Nahrungsmittel zu Verhaltensauffälligkeiten führen können. Was nun durch neuere Studien aus den Niederlanden nochmals bestätigt wurde. Aber auch hier ergaben Bluttests (weder IgE- noch IgG-Testungen) keine Information darüber, welche Nahrungsmittel ADHS bei den Kindern hervorgerufen hat (zuletzt: Pelsser et al 2011).

Es verbleibt somit die Frage nach den zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen. Unverträglichkeitsreaktionen unterliegen verschiedenen Pathomechanismen und bei Allergien üblicherweise angewandte Prick- und RAST-Tests erfassen nur zirkulierendes und an Mastzellen gebundenes IgE. Die seinerzeit mit den Studien zur oligoantigenen Diät gegebene Empfehlung, die Wirkmechanismen dieser Diät (Frage einer allergischen Pathogenese/ Immunologischer Vorgänge) in weiteren Studien zu überprüfen, wurde bis heute nicht nachgekommen.

Bei einem nicht zu vernachlässigenden Teil von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen kann eine Ernährungsumstellung jedoch eine wirksame ergänzende Behandlungsmethode darstellen, für einige wenige sogar ein Ersatz zur medikamentösen Therapie.

Bei Verdacht auf eine nahrungsmittelinduzierte ADHS-Symptomatik sollte daher, die Akzeptanz der Betroffenen vorausgesetzt, die nach Prof Egger modifizierte oligoantigene Diät als Behandlungsverfahren in ein multimodales Therapiekonzept einbezogen werden. Sie ist nicht kostspielig, aber zeitlich aufwändig. So konnte beobachtet werden, dass eine ADHS-Symptomatik bei entsprechender Veranlagung durch individuell unterschiedliche Nahrungsmittel verstärkt oder sogar ausgelöst wird.

Die hierbei auftretenden körperlichen Symptome sind im Einzelnen:

  • Abdominelle Symptome (Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfallneigung, Verstopfung, Darmblutungen, Erbrechen)
  • Kopfschmerzen (insbesondere migräneartige Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Lichtscheu, Sehstörungen und Migräne-Epilepsie-Syndrom)
  • Hautsymptome (Neurodermitis, Urtikarielles Exanthem, Periorales Exanthem, Blässe/Augenringe/gerötete Ohren)
  • Chronische Rhinitis
  • Gliederschmerzen
  • Orale Ulzerationen
  • Sonstige möglicherweise nahrungsmittelinduzierte Symptome (Schlafstörungen, Infektanfälligkeit, unklare Fieberschübe)

Die oligoantigene Diät (Basisdiät, mehrfache Eliminationsdiät, welche bestimmte Nahrungsmittel und Zusatzstoffe weglässt, die häufig Auslöser für Nahrungsmittelallergien-/unverträglichkeiten sein können) wird für 3-4 Wochen zur Austestung angewandt und sollte durch eine Diätassistentin begleitet werden.

Sie sollte jedoch nicht gegen den Willen des Kindes/ Jugendlichen durchgeführt werden. Weiterhin sollten die Voraussetzungen für eine konsequente Umsetzung in der Familie bzw. dem Umfeld gegeben sein.

Vor dem Beginn der oligoantigenen Diät muss die Diagnose (Differentialdiagnostik) abgeschlossen sein. Bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen sollten Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistungen vor und nach der Basisdiät getestet werden. Während der Basisdiät führen die Eltern und ggf. auch Erzieher und Lehrer sogenannte Conners-Skalen (Fragebögen zur Verhaltensbeurteilung). Dies alles ist ausschlaggebend dafür, ob die oligoantigene Diät abgesetzt wird, falls sie keine Wirkung gezeigt hat oder die reintroduktive Phase (Wiedereinführungsphase) beginnt.

In der Wiedereinführungsphase werden die Nahrungsmittel und Nahrungsmittelzusätze einzeln, in normalen Mengen, jeweils 5 Tage lang und bei Verträglichkeit wieder dauerhaft eingeführt; hierbei werden ebenfalls die Conners-Skalen geführt. Auf diese Art und Weise können Nahrungsmittel und Nahrungsmittelzusätze identifiziert werden, bei denen die ADHS-Symptomatik verstärkt auftritt oder durch die sie ausgelöst wird.

Auslasszeit und Wiedereinführungsphase können nach drei Monaten abgeschlossen sein. Sie können aber bis zu sechs Monate dauern, wenn der Wunsch besteht, einzelne chemische Zusatzstoffe auszutesten. Die oligoantigene Diät ist somit keine dauerhafte Ernährungsform sondern eine zeitlich begrenzte diagnostische Diät, die die Grundlage bildet für individuelle Diätempfehlungen.

Behandlungsalgorithmus bei ADHS

 Behandlungsalgorithmus bei ADHS


Adressen zur oligoantigenen Diät können über die Geschäftsstelle des ADHS Deutschland angefordert werden.

 

Direkter Link zu:

Nahrungsmittelinduzierte ADHS-Symptomatik (2)

Nahrungsmittelinduzierte ADHS-Symptomatik (3)

Hypoglykämien, Umweltgifte und Mikronährstoffdefizite

 

 

 

 

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